Corona-Pandemie

07.11.2020

Tierschutzverein Tornesch: Vierbeiner nicht gegen Einsamkeit verschenken

Foto: Andreas Beuck ist Halter der dreieinhalbjährigen Deutschen Dogge Ambra und Vorsitzender des Tierschutzvereins Tornesch und Umgebung. (Jan-Hendrik Frank)

Tornesch/Elmshorn. Das Corona-Virus befällt zwar vor allem Menschen. Aber auch Tiere spüren die Folgen. Bürger schränken Treffen mit Freunden ein, verzichten auf Reisen und arbeiten im Homeoffice. Daher legen sich immer mehr Leute Haustiere zu.

Kaum noch Welpen im Angebot

„In der ersten Corona-Phase war die Nachfrage nach Haustieren sehr groß. Es sind kaum noch Welpen zu bekommen“, berichtet Andreas Beuck, Vorsitzender des Tierschutzvereins Tornesch und Umgebung. Diese Entwicklung zeige sich auf Internetseiten, über die Vierbeiner angeboten werden, wie auch im Tierheim Elmshorn.

Mehr Tiere landen im Heim

Dessen Mitarbeiter vermittelten in diesem Jahr bisher 38 Hunde und 139 Katzen, berichtet Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn und Umgebung. Das sind 52 Prozent mehr Hunde und 22 Prozent mehr Katzen als im Vorjahreszeitraum. Zugleich landen mehr Tiere in dem Heim. Grund: Mit der Nachfrage stiegen die Preise für Welpen um rund 500 Euro. Züchter wittern Gewinn, lassen ihre Tiere öfter decken und werfen mehr Welpen auf den Markt.

Polizei entdeckte illegal eingeschleuste Welpen

Maeder zufolge entdeckte die Polizei im Juli in einem Lieferwagen sieben illegal aus Polen eingeführte Schäferhundewelpen und übergab sie dem Tierheim. Im Kreis Steinburg verstieß ein Züchter gegen Auflagen. Das Tierheim erhielt 18 Terrier – eine selten große Zahl – und vermittelte sie.

Schicksal der Tiere nach der Pandemie ungewiss

Menschen sehnen sich zwar das Ende der Pandemie herbei. Andreas Beuck vom Tierschutzverein Tornesch befürchtet aber, dass dann viele Bürger ihre Vierbeiner wieder im Tierheim abgeben. Der 53-Jährige betont: „Wenn sich jemand ein Tier kaufen will, sollte das sehr überlegt sein. Kann ich ein Tier über zehn oder 15 Jahre versorgen?“ Interessenten sollten abwägen, welche Rasse zu ihnen passt: Wollen sie mit dem Hund viel Sport treiben oder brauchen sie einen friedlichen Familienhund? Wer eine kleine Wohnung hat, sollte auch nur einen kleinen Hund halten. Vor dem Kauf sollte man sich ansehen, ob das Muttertier gesund ist.

Verein: Tiere bitte nicht verschenken

Beuck warnt vor Billigangeboten: „Wenn man ein gesundes Tier haben will, muss man investieren.“ Zudem sollten Tiere nicht verschenkt werden, auch nicht um Menschen aus der Corona-Einsamkeit zu helfen.

Corona macht Menschen aufmerksamer für ihre Umwelt

Beuck bemerkt noch einen positiven Effekt der Pandemie: Im ersten Lockdown klingelte das Notfall-Telefon des Vereins häufiger, zum Teil zwei- bis dreimal am Tag. Menschen nahmen bei Spaziergängen ihre Umwelt offenbar aufmerksamer wahr und meldeten öfter verletzte Vögel. Beuck freut sich über die Achtsamkeit, sagt aber auch: „Man muss manchen Tieren auch ihren Lauf lassen.“ Der Verein ist erreichbar unter Telefon (0176) 45925887.

(Von Jan-Hendrik Frank)

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Foto: Urbatzka

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