Corona-Lockdown im Kreis Pinneberg

15.12.2020

Schulen sind sehr unterschiedlich auf digitales Lernen vorbereitet

Foto: Die meisten Klassenzimmer stehen ab Mittwoch, 16. Dezember, leer. (Wokandapix/Pixabay)

Kreis Pinneberg Es hat viel Zeit gegeben, aus dem ersten Lockdown im Frühjahr zu lernen und die Schulen im Land fit zu machen für digitales Lernen. Kann also ab Mittwoch, 16. Dezember, problemlos umgeswitcht werden vom Präsenz-Unterricht auf das kontaktlose Lernen zu Hause?

KGSE führt Lernsoftware erst im Februar ein

Das hängt ganz von der Schule ab. Das Land gleicht in dieser Hinsicht einem Flickenteppich. In der KGSE etwa ist das Lernmanagement-Programm des Landes „It‘s Learning“ voraussichtlich erst zum 1. Februar 2021 einsatzfähig. „Wir hatten uns früh gemeldet, aber andere Schulen haben uns überholt“, sagt Schulleiter Andreas Weßling.

Bildungsministerium riet von verfügbarem Programm ab

Bekannt ist, dass die Schule nach den Sommerferien kurz davor stand, das Alternativprogramm IServ anzuschaffen. Davon aber soll das Bildungsministerium abgeraten und auf das kommende, für ein Jahr kostenlose „It‘s Learning“ verwiesen haben. Andere Schulen nutzen IServ hingegen erfolgreich.

Digitale Pinnwand für Hausaufgaben

Passiert ist aber auch an der KGSE etwas: Der Schulserver wurde verstärkt, die Uploadgeschwindigkeit deutlich erhöht. Es gibt eine digitale Pinnwand für Hausaufgaben, Videokonferenzen von Lehrern mit Schülern sind möglich. Die Pädagogen sind an einem Schulentwicklungstag damit vertraut gemacht worden. Als Pfropfen der Konferenzen könnte sich allerdings der Landes-Server erweisen, wenn sämtliche Schulen gleichzeitig davon Gebrauch machen.

Bedürftige Schüler erhalten Geräte

In letzter Sekunde wurden Montag an der KGSE noch Endgeräte aus dem Digitalpakt 2 und weitere gespendete Geräte an bedürftige Schüler ausgegeben. „Wir sind weiter als beim ersten Lockdown“, sagt Weßling. Er lobt vor allem das Engagement der Stadt.

Anne-Frank-Gemeinschaftsschule setzt "It's Learning" erfolgreich ein

Das tut auch Maren Schramm, Leiterin der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule (AFG) in Elmshorn. „Der IT-Support der Stadt ist super.“ An der AFG laufe „It‘s Learnig“, abgesehen von Bedienfehlern, reibungslos. Zudem seien alle Schüler der 8., 9. und 10. Klassen mit Leih-Laptops ausgestattet worden. „Wir haben das Home-Schooling auch im Unterricht geübt“, so Schramm.

Elsa-Brändström-Schule: Pro Schüler ein Online-Lernraum

Auch die Elsa-Brändström-Schule sieht sich gut aufgestellt. Das Gymnasium arbeitet seit Jahren mit der Lernmanagement-Plattform SchulCommSy. „Die Bedienung ist zwar etwas kompliziert“, schildert Schulleiter Kevin Amberg. Das System laufe aber stabil und sei weiter verbessert worden. Jeder Lehrer könne sich jetzt mit jedem Schüler virtuell auch in einem eigenen Lernraum treffen. Vorher hätten alle Schüler die Antworten gesehen.

Ministerium verpasst Schulräten Maulkorb

Gern hätten wir berichtet, wie die Lage insgesamt an den Schulen im Kreis Pinneberg aussieht. Doch die Schulräte haben einen Maulkorb erhalten: Journalisten sollten sich an die Pressestelle des Bildungsministeriums wenden. Das Ministerium steht unterdes unter Beschuss.

Landeselternbeirat übt Kritik

Der Landeselternbeirat der Gymnasien übt in einer Pressemitteilung vernichtende Kritik. „Eltern fragten sich zu Recht, was in den vergangenen neun Monaten an Entwicklung passiert ist“, heißt es darin. „Bastelarbeiten als Distanzunterricht vorzuschlagen, ist nicht akzeptabel.“ Und: „Nach gut neun Monaten sind wir augenscheinlich keinen Schritt weiter.“ Fazit des Landeselternbeirats der Gymnasien: „Eine Bankrotterklärung der Bildungspolitik in Schleswig-Holstein.“

Lehrer erhielten im Dezember E-Mail-Adressen

Das Ministerium kontert, fast alle Schulen verfügten über digitale Lösungen. Seit Dezember erhielten Lehrer E-Mail-Adressen. Dataport arbeite zudem an Verbesserungen der Video-Dienste.

(Von Rainer Strandmann)

Die Redaktion direkt
Foto: Urbatzka

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