Angst vor Gewalt

Cybermobber bedroht Glückstädter Familie

Foto: Pascal Rieper (links) ist völlig genervt: Unter seinem Namen verschickt ein Unbekannter beleidigende Nachrichten an viele Menschen in Glückstadt und Umgebung. Sein Vater Christian Rieper will klarstellen, dass sein Sohn dafür nicht verantwortlich ist. (Jan-Hendrik Frank)

Glückstadt Pascal Rieper hat Tränen in den Augen. Der 16-jährige Glückstädter und seine Eltern berichten, dass ein Unbekannter sie seit mehr als drei Wochen terrorisiert. Der Täter tritt in sozialen Medien unter dem Namen und mit den Profilfotos des Jugendlichen auf und belästigt dessen Bekannte.

E-Mail-Adressen unter dem Namen des 16-Jährigen

Der Mobber legte E-Mail-Adressen unter den Namen des 16-Jährigen und dessen Vater Christian Rieper an und verschickte Falschmeldungen an verschiedene Menschen in Glückstadt. Christian Rieper erstattete bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt wegen Nötigung und Urkundenfälschung. Der 40-Jährige betont: „Mein Sohn steckt nicht hinter den Fake-Nachrichten.“

Unbekannter droht mit Veröffentlichung eines Nackfotos

Der Terror begann am 1. Februar. Pascal Rieper erhielt eine WhatsApp-Nachricht mit einer Drohung: Der unbekannte Absender wolle ein Nacktfoto des 16-Jährigen verbreiten. Christian Rieper stellte daraufhin einen Menschen aus dem Bekanntenkreis seines Sohnes per Chat auf dem Smartphone zur Rede, doch der stritt alles ab.

Plötzlich steht Polizei vor der Tür

Inzwischen rief der Unbekannte die Polizei auf den Plan. Im Namen von Pascal Rieper hatte er in einer Facebook-Gruppe einen Überfall auf einen Markt angekündigt. Daraufhin klingelten Beamte bei der Familie.

Unbekannter kündigt unter Namen des 16-Jährigen einen Überfall an

Identitätsdiebstahl wird diese Form der Belästigung genannt. Der Jugendliche und seine Familie leiden. Zum Beispiel meldete sich ein Unbekannter unter dem Namen von Pascal Rieper in der Facebook-Gruppe „Glückstadt‘s Meckerecke“ an und kündigte einen Überfall auf den örtlichen Jawoll-Markt an. Pascals Vater Christian Rieper berichtet: „Da hieß es: Wer mitmachen will, soll sich per Direktnachrichten melden.“ Daraufhin stand die Polizei bei der Familie vor der Tür.

Verleumdung gegenüber dem Chef

Anfang Februar schrieb ein Unbekannter über Facebook den Chef von Pascal Rieper in Itzehoe an. Der 16-Jährige trat dort im Oktober ein Praktikum in einem handwerklichen Betrieb an. Der Unbekannte gab sich als Kundin aus und behauptete, dass Pascal an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit versucht habe, sie zu vergewaltigen. Der 16-Jährige konnte den Fall aufklären. Er und sein Vater saßen zu der besagten Zeit bei der Polizei in Glückstadt und erstatteten Anzeige wegen des Identitätsdiebstahls. Pascals Chef zeigte sich verständnisvoll. Der 16-Jährige darf sein Praktikum fortsetzen und hat Aussicht auf einen Ausbildungsplatz.

Angebliche Kündigung in der Jugendfeuerwehr

Doch die Serie der Schreckensnachrichten reißt nicht ab. Mitte Februar tauchte auf der Facebook-Seite der Jugendfeuerwehr Glückstadt ein Eintrag auf, der die Gruppe abfällig bewertete: „Unhöflich. Man fühlt sich, als wenn man ein Sklave ist in den Verein“, hieß es dort in falscher Rechtschreibung. Der Kommentar war unter dem Namen Pascal Rieper veröffentlicht worden, der ihn nach eigener Aussage aber nicht geschrieben hat. Die Jugendwartin erhielt eine E-Mail, deren Absender sich als Pascals Vater ausgab und die Mitgliedschaft seines Sohnes in der Jugendfeuerwehr kündigte. Die verwendete E-Mail-Adresse gehört dem Vater aber nicht.

Bedrohung der Schwester

Auf Instagram schrieb ein Unbekannter Pascals Schwester (13) an und behauptete, dass er die Inneneinrichtung ihres Kinderzimmers kenne. Pascal beschwerte sich darüber beim Instagram-Support, woraufhin die Profile des Absenders gelöscht wurden.

Mobber verleumdet anderen Jugendlichen

Kürzlich standen eine Frau und deren Sohn wutentbrannt vor der Tür der Riepers. Ein Unbekannter hatte ihr eine E-Mail geschickt und darin behauptet, dass ihr Sohn sich an der Schwester von Pascal Rieper vergangen habe.

Täter kündigt "15 Spiele" an

Der Unbekannte drohte dem 16-Jährigen damit, dass er zwölf Helfer habe und mit dem Glückstädter 15 Spiele spielen werde. Erst wenn Pascal alle Runden bestanden habe, werde er in Ruhe gelassen werden. „Der Typ ist krank“, sagt Pascals Mutter.

Familie hat Angst um die Tochter

Sie will ihren Namen aus Angst nicht nennen. „Wir müssen jeden Tag mit etwas Neuem rechnen“, sagt sie. Familie Rieper lebt seit acht Jahren in Glückstadt. Jetzt wurde die Mutter bei Instagram von unbekannter Seite her angeschrieben und aufgefordert, mit der Familie wegzuziehen. Der Absender wollte dafür sorgen, dass die Familie auseinanderbricht. Die Mutter lässt seither ihre Tochter nicht mehr allein vor die Tür.

Pascal Rieper: "Ich fühle mich sehr mies."

Pascal befürchtet, auf dem Rückweg von der Arbeit überfallen zu werden. Christian Rieper ist eines wichtig: Die Glückstädter sollen wissen, dass die Beleidigungen und Drohungen, die unter dem Namen seines Sohnes verschickt wurden, Fake sind. Zugleich warnt er Jugendliche, zu viel persönliche Daten im Netz preiszugeben. „Es kann jeden treffen“, sagt der 40-Jährige. Pascal selbst versucht, sich abzulenken. „Aber wenn wieder was dazukommt, fühle ich mich sehr mies.“

Das sagt die Polizei

Merle Neufeld, Sprecherin der Polizeidirektion Itzehoe, bestätigte auf Anfrage, dass eine Strafanzeige in der Angelegenheit vorliegt. „Ob der Fall als Mobbing einzuordnen ist, dürfte Definitionssache sein“, sagte sie. Mobbing selbst gelte nicht als Straftatbestand. Damit könnten aber Straftatbestände wie beispielsweise Beleidigung, Bedrohung, Nötigung und Betrug einhergehen.

Mobbing tritt meist im persönlichen Umfeld auf

„Grundsätzlich dürften Täter und Opfer in einer Beziehung zueinander stehen“, sagt Neufeld. Zu Mobbing komme es zum Beispiel in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie und im Verein.

Keine Fallzahlen verfügbar

Wie bringt die Polizei Licht in solche Übergriffe im Internet? „In Fällen von Cyber-Mobbing, so Straftaten vorliegen, versuchen die Ermittler natürlich zunächst die Identitäten der handelnden Täter zu ermitteln, so diese mit Alias-Daten arbeiten“, erläutert die Sprecherin. Fallzahlen zu Mobbing kann die Polizei nicht liefern, weil es nicht als Straftatbestand gilt und daher nicht als solcher in die Statistik eingeht.

(Von Jan-Hendrik Frank)

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Foto: Urbatzka

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