Mutiger Einsatz

23.09.2020

Zwei Schülerinnen und ein Pizzabäcker verhindern Großbrand in Elmshorn

Foto: Husan Deep Singh arbeitet in der Pizzaria Smiley‘s. Als zwei Mädchen ihn um Hilfe baten, zögerte der 23-Jährige nicht, griff sofort zum Feuerlöscher. (Jan-Hendrik Frank)

Jessica Schultz wollte am Sonnabend in ihrer Wohnung in Elmshorn an der Langelohe selbstgemachte Pommes frites zubereiten. Ihr Bruder Sascha Wagner, ihre Tochter Emma (13), deren Freundin Jule Okunick (12) und sie freuten sich schon auf das Essen. Doch als die 34-Jährige kurz vor 17 Uhr in einem Topf Öl erhitzte, fing dieses an zu brennen. „Die Flammen gingen gleich bis zur Decke“, berichtet sie.

Obdachlosigkeit abgewendet

Dem beherzten Einsatz der Mädchen und dreier Pizzabäcker sei es zu verdanken, dass sie nicht obdachlos wurden. „Hätten sie nicht so schnell reagiert, wäre die Wohnung abgebrannt“, sagt Wagner.

Mädchen standen unter Schock

Jessica Schultz erinnert sich an den Moment, als Flammen aus dem Topf schossen. „Die Mädchen hatten Angst.“ Die 34-Jährige rief: „Es brennt, es brennt!“ Die Wohnung befindet sich im ersten Stockwerk über dem Pizzaservice Smiley‘s. Jessica Schultz wusste, dass in dem Restaurant kürzlich die Feuerlöscher ausgetauscht worden waren. Sie forderte deshalb Emma und Jule auf, die Mitarbeiter um Hilfe zu bitten. „Die Mädchen standen unter Schock. Ich musste sie rausschieben.“

Ohne Schuhe an den Füßen Hilfe geholt

Emma berichtet: „Wir haben uns an der Hand genommen, haben alles stehen und liegen gelassen und sind rausgerannt – ohne Schuhe.“ Die Mädchen stürmten in die Smiley‘s-Küche und riefen: „Es brennt. Kommt mit dem Feuerlöscher.“ Drei Mitarbeiter unterbrachen sofort ihre Arbeit und folgten ihnen nach oben.

Ungewohnte Hitze

Husan Deep Singh ist es gewohnt, in einer heißen Küche zu stehen. Der 23-Jährige arbeitet bei dem Pizzaservice Smiley‘s in Elmshorn an der Langelohe. Am Sonnabend kämpfte der Pizzabäcker allerdings mit einer Hitze, die selbst ihm zu schaffen machte.

Pizzabäcker zögerte nicht

Zwei Kollegen, die aber nicht mit der Holsteiner Allgemeinen sprachen, und er löschten einen Brand in einer Wohnung über dem Restaurant. Die drei Männer hatten am Nachmittag Dienst. Singh bereitete bei Smiley‘s Pizzen zu. Kurz vor 17 Uhr stürzten Emma (12) und Jule (13) in die Restaurantküche. Singh erinnert sich, dass die Mädchen tränenüberströmt waren. Er fragte: „Was ist passiert?“ Sie riefen: „Es brennt. Kommt mit dem Feuerlöscher.“ Der 23-Jährige und zwei Kollegen zögerten nicht.

Mit dem Feuerlöscher durchs Treppenhaus

Singh wies einen Mitarbeiter an, die Feuerwehr anzurufen. Dann schnappte er sich den Feuerlöscher des Restaurants, rannte auf den Hof, in das Treppenhaus des Wohnbereichs und hinauf in das erste Stockwerk. Die zwei Kollegen folgten ihm. In der Küche stand auf dem Herd ein Topf mit Öl, das sich entzündet hatte. „In einer Ecke brannte es, auch die Gardinen“, berichtet Singh. Er schloss sofort das Fenster, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen. Dann begann er zu löschen, doch die Hitze und der Rauch machten ihm zu schaffen. „Ich hatte kein Tuch für das Gesicht.“

Gefaltete Schürze als Schutz vor Rauch

Singh rannte wieder in das Restaurant, griff nach einer Schürze, faltete sie ein paar Mal und band sie sich vor Mund und Nase. Dadurch wollte er sich vor dem beißenden Rauch schützen. Seine Kollegen wollten ihn davon abhalten, in die brennende Küche zurückzukehren. Immerhin war die Feuerwehr alarmiert und im Anmarsch. Doch der 23-Jährige ließ sich nicht aufhalten und eilte zurück in die Wohnung.

Waghalsiges Manöver

„Das Öl hat gebrannt“, erinnert er sich. Er schaute sich nach Hilfsmitteln zum Löschen um, entdeckte in einer Spüle eine Pfanne und wagte ein Vorgehen, von dem die Feuerwehr immer wieder dringend abrät: Singh füllte die Pfanne mit Wasser, kippte es in den Topf und verschloss diesen sofort, indem er die Pfanne auf die Topföffnung drückte.

Feuerwehr warnt vor diesem Vorgehen

Die Feuerwehr warnt davor, brennendes Öl mit Wasser zu löschen. Dabei kann es zu lebensgefährlichen Fettexplosionen kommen. Doch Singh hatte Glück. „Das Feuer war aus“, berichtet er. Auf dieselbe Weise löschte er die brennenden Gardinen, den Fußboden und das Küchenmobiliar.

Nachbarn halfen dem Brandopfer

Jessica Schultz holte währenddessen ihre Nachbarn aus deren Wohnungen. Da die 34-Jährige zwei Tage zuvor operiert worden war, war sie nicht gut zu Fuß. Nachbarn stützten sie auf dem Weg nach draußen. Inzwischen trafen die Rettungskräfte ein. Die Polizei sperrte die Straße zwischen dem Kreisverkehr am Steindamm und dem Mühlendamm bis etwa 17.40 Uhr ab. Die Feuerwehr belüftete das Appartement, das weiterhin bewohnbar ist.

Mutter ist stolz auf die Mädchen

Emma und Jule warteten draußen. „Sie sind im Rettungswagen zusammengebrochen“, berichtet Jessica Schultz. Sie ist stolz auf den mutigen Einsatz der Mädchen und dankbar für die Hilfe der Pizzabäcker.

(Von Jan-Hendrik Frank)

Die Redaktion direkt
Foto: Urbatzka

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