Zu eng und zu dicht am Autoverkehr

30.09.2020

Familienvater fühlt sich mit Kindern auf Elmshorner Radwegen nicht sicher

Foto: Am City Center müssen Radfahrer ihre Drahtsesel durch einen Baustellentunnel schieben. Dieser endet vor einem Baum. Torben und Kathrin Roseborck schaffen es kaum, den Fahrradanhänger durch die schmale Lücke zwischen Baugerüst und Baumstamm zu zwängen. (Jan-Hendrik Frank)

Kathrin und Torben Roseborck bemängeln den Zustand vieler Radwege in Elmshorn. „Wenn wir eine fahrradfreundliche Stadt sein wollen, ist echt noch viel zu tun“, sagt die 37-Jährige. Das Rathaus äußerte sich neun Werktage nach einer Anfrage der Holsteiner Allgemeine zu den Problemen. Es teilt die Kritik des Ehepaars größtenteils nicht, will die Situation aber zum Teil überprüfen.

Eltern und Kinder radeln täglich durch den Stadtverkehr

Das Paar sowie seine Töchter Johanna (3) und Henriette (7) wohnen im Sandberg, einer Seitenstraße des Wedenkamp. Torben Roseborck begleitet morgens Henriette zur Next-Schule an der Hamburger Straße. Johanna sitzt im Fahrradanhänger. Ihr Vater bringt sie in die katholische Kita an der Beselerstraße. Dann fährt er zum Bahnhof, stellt sein Fahrrad ab und fährt mit dem Zug nach Hamburg zur Arbeit. Seine Frau Kathrin Roseborck ist zurzeit im Homeoffice tätig und holt die Kinder wieder ab. Normalerweise überquert Torben Roseborck auf dem Weg zur Hamburger Straße die Käpten-Jührs-Brücke. Wenn diese gesperrt ist, fährt der 43-Jährige durch die jüngst sanierte Straße Vormstegen.

Problem: Fahrradspur im Vormstegen

Vom Buttermarkt her kommend ist ein Radweg auf der Straße markiert, der nach der Einmündung Osterfeld endet. Radfahrer dürfen dort auf den Bürgersteig wechseln. Der Bordstein ist aber nur auf etwa zwei Metern Länge abgesenkt. Diesen Abschnitt in voller Fahrt mit Anhänger und siebenjähriger Tochter im Schlepptau zu treffen, ist nach Ansicht von Roseborck gefährlich.

Rathaus: Radler dürfen auf der Straße bleiben

Baustadtrat Lars Bredemeier entgegnet: „Da es sich hier um einen Gehweg handelt, ist für Radfahrer nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt, sodass sowieso vor der Bordsteinabsenkung abgebremst werden muss.“ Radler dürfen zudem auch nach der markierten Fahrradspur auf der Straße bleiben.

Verwaltung: Autoverkehr braucht im Vormstegen alle Spuren

Torben Roseborck schlägt vor: „Besser wäre es, eine der beiden Linksabbiegerspuren zur Fahrradspur zu machen.“ Er wundert sich: „Die Straße Vormstegen ist neu gemacht worden, aber von vornherein schlecht gemacht.“ Wie Bredemeier erläutert, hat das Rathaus geprüft, ob eine der beiden Linksabbiegerspuren in einen Fahrradstreifen umgewandelt werden könnte. „Dies ist aufgrund der notwendigen Leistungsfähigkeit der Kreuzung allerdings nicht möglich“, sagt der Baustadtrat.

Familienvater: Verkehrsinseln zu kurz für Fahrrad plus Anhänger

100 Meter weiter überquert Torben Roseborck die Kreuzung an der Bundesstraße 431. Die Verkehrsinseln sind zum Teil so klein, dass er während der Rotphasen entweder mit dem Vorderrad des Fahrrads oder der Hinterachse des Anhängers auf der Straße steht. Das wäre kein Problem, wenn es für Radfahrer und Fußgänger eine grüne Welle gäbe. Das ist aber nicht der Fall. Baustadtrat Bredemeier dagegen hält die Verkehrsinseln für groß genug. Die Ampelschaltung werde überprüft.

Bau eines besseren Radwegs an Reichenstraße zu aufwendig

An der Reichenstraße verläuft ein erhöhter Fußweg mit Geländer. Roseborck wünschte, er dürfte ebenfalls dort fahren. Stattdessen muss er unterhalb des Geländers einen schmalen Weg direkt an der Straße nutzen. Auch das sei gefährlich. „Diese ungünstige Radverkehrsführung ist der Verwaltung bekannt“, räumt Bredemeier ein. Ein Umbau wäre aber unverhältnismäßig aufwendig. Unter anderem müsste die Stützwand versetzt und eine Absturzsicherung für Radfahrer errichtet werden.

Familie meidet Osterfeld: Rechts-vor-Links-Regelung birgt Gefahren

Kathrin Roseborck fährt auf dem Rückweg von Kita und Schule durch die Berliner Straße. Baumwurzeln sorgen dort für einen unebenen Radweg. Die Familie könnte auch die Straße Osterfeld nehmen, meidet diese Route aber. „Das ist mir zu gefährlich, da es dort keine Radwege gibt und Rechts vor Links gilt“, sagt Torben Roseborck.

Mutter: Behelfstunnel am City-Center ist bedrückend

Am Wedenkamp werden Passanten wegen der Baustelle am City-Center durch einen Behelfstunnel geleitet. Kathrin Roseborck empfindet die Enge als bedrückend. „Im Sommer staubt es sehr.“

Tunnel endet vor Baum

Das größte Problem: Der Gang endet vor einem Baum, an dem sich Fußgänger und Radler durch enge Lücken vorbeizwängen müssen. Der Fahrradanhänger bleibt fast stecken. Bredemeier zufolge lässt sich dieses Problem nicht ändern. An dieser Ecke sei das Gerüst für die Stabilität der Gesamtkonstruktion besonders wichtig. Fahrräder müssten in dem Tunnel ohnehin geschoben werden. Aus diesem Grund fahren viele Radler lieber auf der Straße, weil sie im Tunnel absteigen müssten. Doch das ist Kathrin Roseborck mit zwei Kindern zu gefährlich. „Es wirkt manches ungeplant“, sagt ihr Ehemann.

(Von Jan-Hendrik Frank)

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