Elmshorner Stadtumbau

05.03.2021

Gutachten bestätigen Altlasten im Sanierungsgebiet

Der lange gehegte Verdacht hat sich bestätigt: Auf dem Baugrundstück für das neue Rathaus in Elmshorn befinden sich etliche Altlasten. Es gibt sogar einen Verdacht, dass im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen Kampfmittel und lebensbedrohliche Milzbrandsporen im Boden liegen. Das teilte das Rathaus dem Stadtumbau-Ausschuss während dessen jüngster Sitzung mit. „Die Aktenlage ist immens. Inzwischen liegen mehr als 100 Gutachten allein zu Standorten im Sanierungsgebiet vor“, sagt Baustadtrat Lars Bredemeier. Die Belastung sei aufgrund der Kombination mit Kampfmitteln „besonders“.

Information der Öffentlichkeit nur per Pressemitteilung

Aufgrund der Pandemie fand das Treffen als Videokonferenz statt. Die Verwaltung bezog die Öffentlichkeit lediglich in der Form ein, dass sie anschließend per Pressemitteilung darüber berichtete. Bredemeier hatte die Formulierungen mit der Ausschussvorsitzenden Dörte Köhne-Seiffert abgestimmt.

Milzbranderreger nicht nachgewiesen, aber möglich

Laut Stadtverwaltung wurden Boden, Bodenluft und Grundwasser untersucht. Die Gutachter fanden unter anderem Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), Schwermetalle, Methan, Kohlendioxid, leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) und Phenole. Möglicherweise sind auch Milzbranderreger vorhanden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts können sie Jahrzehnte im Erdboden überdauern und dabei ansteckend bleiben. Sie bilden ein für Menschen unter Umständen tödliches Gift.

Gerberei-Abfälle sind Indiz für Milzbrandsporen

Bislang wurden die Milzbranderreger in keiner der untersuchten Proben aus dem Innenstadtbereich nachgewiesen. „Da jedoch Gerberei-Abfälle aufgefunden worden sind, die als Indiz für eine mögliche Milzbrandkontamination gelten, können wir den Verdacht nicht ohne Weiteres entkräften“, heißt es in der Pressemitteilung des Rathauses. Die Folge: Das Gebiet gelte weiterhin als Verdachtsfläche.

Problematische Konzentration von Methan und Kohlendioxid

Nicht alle Altlasten sind menschengemacht. Auf dem Rathausgrundstück wurde eine problematische Konzentration von Methan und Kohlendioxid entdeckt. Der Ursprung dafür sind mikrobielle Abbauprozesse im Marschboden. Trotzdem müssen diese Gase bei der Sanierung ebenso wie die menschengemachten Verunreinigungen berücksichtigt werden, so das Rathaus.

Zwei Sanierungsmethoden

Bei der Sanierung kommen zwei Methoden in Betracht: einerseits eine Dekontamination mit einer Aufbereitung oder einem Austausch des Bodens und andererseits eine Sicherung der Altlasten. Beide Vorgehensweisen können kombiniert werden.

Sicherheit herrscht, solange der Boden nicht geöffnet wird

Noch gelten die Altlasten auf dem Rathaus-Grundstück als gesichert: Sie befinden sich unter einer versiegelten Fläche und breiten sich nicht aus. „Erst, wenn wir die Fläche entsiegeln entsteht Handlungsbedarf“, erläutert Bredemeier. Die Untere Bodenschutzbehörde entscheidet, welche Sanierungsmethode im Einzelfall zulässig ist. Die Stadtverwaltung hat die besondere Gefahrensituation nach eigenen Angaben im Blick. Das zeige sich etwa an dem Pfahlgründungskonzept, nach dem Pfähle im Vollverdrängungsverfahren ohne Bodenaushub im Boden versenkt werden sollen. (Von Jan-Hendrik Frank)

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Foto: Urbatzka

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