Zwischen Aufbruchstimmung und Skepsis

12.05.2021

Gastwirte wünschen sich dauerhafte Perspektive

Kreise Pinneberg/Steinburg Gastwirte in den Kreisen Pinneberg und Steinburg sind erleichtert: Nach fast sieben Monaten der Zwangsschließung wegen Corona dürfen sie Gäste ab Montag, 17. Mai, wieder innerhalb ihrer Restaurants bedienen. Das Land hat eine neue Verordnung beschlossen.

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Nur mit Test ins Restaurant

Demnach gilt für die Innengastronomie eine Testpflicht und eine Sperrstunde um 23 Uhr. Kontaktdaten sind zu erfassen. Ein Hygienekonzept muss vorliegen, das das Gesundheitsamt genehmigen muss, wenn mehr als 50 Gäste gleichzeitig bewirtet werden sollen. Fünfköpfige Gruppen dürfen aus zwei Haushalten bestehen. Ansonsten dürfen ein Haushalt plus eine Person zusammensitzen. Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgezählt. Die Außengastronomie ist bereits geöffnet.

Viel Personal ist in andere Branchen abgewandert

„Wir sind heilfroh, dass es langsam wieder losgeht“, sagt Jürgen Schumann, Vorsitzender des Kreisverbands Pinneberg im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Er befürchtet, dass viel Personal abgewandert ist.

Jetzt werden Kühlschränke gefüllt

Ivo Ninic (74), Inhaber des Elrado-House in Elmshorn, hielt seine sechs Angestellten bei der Stange, indem er das Kurzarbeitergeld jeweils auf das volle Gehalt aufstockte. „Mir geht es finanziell nicht schlecht, aber ich bin auch 30 Jahre hier.“ Der Lieferservice im Lockdown sei eher mäßig gelaufen. Deshalb hofft er auf den Neustart am Montag. Bis dahin will er seine Kühlschränke auffüllen.

Schlossgefängnis: Erstmal nur die Terrasse öffnen

Karin Herbst, Pächterin des Barmstedter Galerie-Cafés Schlossgefängnis, glaubt noch nicht an die große Restaurant-Saison. „Wenn am Vatertag alle ihre Sauftouren machen, sehe ich schwarz. Dann gehen die Zahlen wieder hoch.“ Deshalb öffnet sie vorerst nur ihre Terrasse und wartet ab, ob die Gastronomie langfristig öffnen darf. „Sonst kaufst du alles ein und dann brauchst du es nicht mehr.“ Zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 musste sie Lebensmittel im Wert von rund 3000 Euro entsorgen. Ihr fehlt seitens der Regierung eine verlässliche Perspektive ohne Notbremse.

Birkenhain: Terrasse nur gleichzeitig mit der Innengastronomie öffnen

Vorsichtig zeigt sich auch Thorsten Cords, Inhaber der Gaststätte Birkenhain in Tornesch. Der 56-Jährige will seine Terrasse erst am 17. Mai gleichzeitig mit den Gasträumen öffnen. „Wir haben durchwachsenes Wetter. Wenn die Terrasse voll ist und es regnet, haben wir jetzt keine Ausweichmöglichkeiten.“ Er freut sich auf die Öffnung. Die Ausgleichszahlungen für November und Dezember seien angekommen, für dieses Jahr aber noch nicht. „Es wird von Woche zu Woche enger. Wir sind frohen Mutes, dass die Durststrecke zu Ende ist.“

Sandhu: Gäste nutzten Lieferservice gut

Pardan Singh Sandhu, Inhaber des gleichnamigen Restaurants in Elmshorn am Flamweg, hat seine Außengastronomie geöffnet und will am Montag auch innen starten. Aber der 38-Jährige ist skeptisch. „Wir warten ab, ob es wirklich losgeht.“ Die Zeit des Lockdowns habe er dank des Lieferservices gut überstanden. „Viele haben mich richtig gut unterstützt.“ Seine Mitarbeiter konnte er halten.

Lorado Grande: Innenräume sind vorbereitet

Sultaan Singh (38), Inhaber des Restaurants Lorado Grande in Horst, hat seine Gasträume für den Neustart vorbereitet und bereits Reservierungen für die Zeit ab dem 17. Mai erhalten. „Wir haben gute Hoffnung.“ Er will sein Restaurant innen und außen öffnen. „Aber wir wissen nicht, ob es gut klappt.“

Sibirien: Veranstaltungen sind leider noch nicht möglich

Heike Thormählen richtet in ihrer Gaststätte Sibirien in Elmshorn üblicherweise Veranstaltungen aus, die aber noch nicht erlaubt sind. Sie öffnet ihre Gasträume daher nicht und wartet auf Signale vom Land. Thormählen geht davon aus: Wenn Veranstaltungen erlaubt werden, dann nur mit Türstehern und abgesperrten Bereichen. Sie bietet weiterhin einen Außerhausservice an, vermutet aber, dass der sich nicht mehr lohnt, sobald andere Restaurants Gäste vor Ort bewirten. (Von Jan-Hendrik Frank)

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Foto: Urbatzka

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