Nachgefragt bei den Standesämtern Pinneberg und Itzehoe

17.02.2021

Wo liegen die Grenzen bei der Wahl von Vornamen?

Itzehoe/Pinneberg Bei der Wahl von Vornamen gibt es seit der Reform des Namensrechts im Jahr 2009 kaum noch Grenzen. Wie die Itzehoer Standesbeamtin Grüneklee erläutert, gibt es eine Faustregel: Namen aus Comics sind verboten. In den Kursen für Babymassage werden sich daher auf absehbare Zeit weder Batman noch Hulk, Daredevil oder Wonder Woman tummeln. Ausnahme: „Wenn es eine Person gibt, die schon so heißt, dann ist es kein Problem“, sagt Grüneklee. Donald ist demnach erlaubt, Jane auch, Tarzan und Cheeta eher nicht.

Der Klang ist wichtiger als die Schreibweise

Denkbar ist, dass Standesämter Namen wie Schantall und Jäson beurkunden. Wenn ein Name wie sein ausländisches Vorbild klinge, komme es auf die Schreibweise nicht an, sagt die Standesbeamtin. Einschränkungen gibt es beim Geschlecht: „Man darf einem Jungen keinen eindeutig weiblichen Namen geben und einem Mädchen nicht einen eindeutig männlichen“, sagt Grüneklee. Beim zweiten Vornamen gilt diese Regel aber nicht mehr. Rainer Maria Rilke darf weiterhin als Vorbild dienen. Unklarheiten bestehen teils bei ausländischen Vornamen.

Im Zweifel entscheidet ein Gericht

Das Namensrecht lässt Müttern und Vätern heutzutage große Freiheiten. „Die Individualität der Eltern darf nicht eingeschränkt werden“, sagt die Itzehoer Standesbeamtin Grüneklee. Die Behörde kann im Zweifelsfall aber einschreiten. „Wenn ich denke, dass das Kind an dem Namen leidet, habe ich das Recht und die Pflicht, das mit den Eltern auszuhandeln“, sagt sie. Im Extremfall dürfte sie ein Kind sogar ohne Vornamen beurkunden. Anschließend würde ein Gericht entscheiden.

Standesämter lehnten jüngst keine Namen ab

Bei aller Freiheit ist es vorgeschrieben, dass Eltern ihre Kinder in dem Standesamt am Geburtsort anmelden. Entbindungsstationen befinden sich im Kreis Pinneberg im Regio Klinikum Pinneberg und im Kreis Steinburg im Klinikum Itzehoe. Weder das Standesamt in Pinneberg noch in Itzehoe lehnte in jüngster Zeit aber Namen ab. Es bestand auch kaum Beratungsbedarf wegen problematischer Wünsche. Die Itzehoer Standesbeamtin Grüneklee erinnert sich an einen Fall, in dem ein syrisches Paar seinem Sohn einen weiblichen arabischen Vornamen geben wollte. Es stellte sich aber heraus, dass in Syrien auch Männer diesen Namen tragen. Das Standesamt stimmte dem Elternwunsch daher zu. Die Beamten überprüfen nicht, ob ausländische Namen möglicherweise problematische Bedeutungen haben.

Name muss nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sein

Sollte ein Paar oder ein alleinerziehendes Elternteil für einen Jungen einen nicht eindeutig männlichen oder für ein Mädchen einen nicht eindeutig weiblichen Vornamen wie Janne oder Kim auswählen, raten die Standesbeamten zu einem zweiten Namen, an dem sich das Geschlecht klar ablesen lässt. „Aber den Zwang dazu gibt es seit 2009 nicht mehr“, sagt Grüneklee. Zudem kam es weder in Itzehoe noch in Pinneberg vor, dass Eltern bei der Namenswahl das Geschlecht des Kindes im Sinne der Gender-Diskussionen bewusst offen lassen wollten.

Ab dem dritten Vornamen wird‘s ausgefallen

Ungewöhnlicher als die ersten Vornamen fallen oft zweite und dritte aus. In der Liste des Standesamts Itzehoe tauchen bei den dritten Vornamen der Mädchen etwa Andi, Dewi und My auf, bei den Jungen Abbas, Angel und Jermaine. Ein Mädchen erhielt 2020 sogar fünf Vornamen. Erwachsene haben die Möglichkeit, Namen nachträglich abzulegen, wenn sie dafür einen wichtigen Grund anführen können. Den Namen Adolf streichen zu lassen, wird nach Kenntnis des Standesamts Itzehoe immer genehmigt.

Am beliebtesten: Emil, Ben, Leonie und Lotta

Das Standesamt Pinneberg verzeichnete im vergangenen Jahr 1234 Geburten. Am häufigsten wurden dort die Namen Emil, Elias, Finn und Liam sowie Leonie, Amelie, Ella und Emilia vergeben. Das Standesamt Itzehoe beurkundete 1647 Geburten. Am beliebtesten waren dort die Namen Ben, Felix, Max und Elias sowie Lotta, Hanna, Mila und Ida. Aber nicht alle Kinder erblicken im Krankenhaus das Licht der Welt. Das Standesamt für Uetersen und Tornesch verzeichnet jährlich vier bis fünf Hausgeburten. (Von Jan-Hendrik Frank)

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Foto: Urbatzka

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