Alltag der Volkshochschule im Lockdown

18.02.2021

VHS-Leiterin Inga Pleines: „Wir werden auf Hybridunterricht umsteigen müssen“

Foto: VHS-Leiterin Inga Pleines kann die Online-Übertragung des Pilates-Kurses auf ihrem Monitor aufrufen. (Jan-Hendrik Frank)

Die Kamera läuft. Zwei Scheinwerfer tauchen Noëlle Baumann in helles Licht. Die Diplom-Sportlehrerin steht im Saal der Volkshochschule (VHS) Tornesch-Uetersen im zweiten Stockwerk des Tornescher Hofs. Auf einer blauen Matte führt sie am Dienstag Rückenpilates-Übungen vor und spricht dabei Anweisungen in das Mikrofon ihres Headsets. Knapp 15 Teilnehmer schauen live über das Internet zu. Etwa ebenso viele werden sich später die Aufzeichnung ansehen.

Rückenpilates auf Distanz

„Bis vor wenigen Monaten konnte ich es mir gar nicht vorstellen, die Übungen online zu machen“, sagt die 50-Jährige. Inzwischen hat sie sich in die Technik eingearbeitet, doch noch immer vermisst sie den persönlichen Kontakt zu ihren Teilnehmern. „Ich brauche die Leute hier. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht und was sie brauchen“, sagt Baumann. Ein kleiner Trost: Manche schreiben Nachrichten in den Chat oder später in die VHS-Cloud. Aus dem Homeoffice heraus überwacht Informatikerin Ina Falke, ob die Technik läuft, und unterstützt bei Bedarf.

Fast die Hälfte der Kurse ist ausgefallen

Trotz Lockdown nehmen zurzeit knapp 100 Menschen am Programm der VHS Tornesch-Uetersen teil. Das entspricht etwa 20 Prozent der Besucher aus den Zeiten vor Corona, berichtet Leiterin Inga Pleines. Fast die Hälfte der 800 Kurse ist ausgefallen. Nur noch 180 der 300 Dozenten sind im Einsatz. 2020 brachen der VHS die Hälfte der Einnahmen weg.

Geflüchteten fehlt die Ausrüstung für den Online-Unterricht

Die Kurse finden online statt: Geflüchtete erhalten einen abgespeckten Deutschunterricht. Vielen fehlt allerdings die technische Ausrüstung. Auch die Sprachkurse Norwegisch, Italienisch und Dänisch laufen online weiter, ebenso der Einzelunterricht mit Musikinstrumenten und Sportübungen. Der Kreativbereich dagegen liegt brach. „Man kann keinen Online-Nähkurs machen“, sagt Pleines. Die Fragen der Teilnehmer ließen sich kaum aus der Ferne beantworten. Auch Kinder haben das Nachsehen: Ballettkurse für Gruppen von Mädchen und Jungen sind online nicht möglich. Etliche Bürger setzen aus, weil sie VHS-Kurse besuchen wollen, um Menschen zu treffen.

Corona-Beschränkungen: VHS zählt zum Veranstaltungsbereich

„Wir hoffen wöchentlich auf eine Öffnung“, sagt Leiterin Pleines. Doch die VHS zählt bei den Corona-Regeln zum Veranstaltungsbereich und nicht zu den Schulen, die im Kreis Pinneberg ab 1. März teilweise mit einem eingeschränkten Präsenzunterricht beginnen dürfen. „Wir müssen es abwarten“, sagt Pleines.

Künftig gibt es Hybridkurse

Die Kameras und Headsets werden auch nach dem Corona-Lockdown nicht aus dem Alltag der VHS Tornesch-Uetersen verschwinden. „Wir werden auf Hybridunterricht umsteigen müssen“, sagt Leiterin Inga Pleines. Das bedeutet: Ein Teil der Gruppe nimmt am Präsenzunterricht teil, während sich der andere über das Internet hinzu schaltet. Die letztgenannten Teilnehmer können das Geschehen zum einen zu Hause vor dem Computer verfolgen. Zum anderen ist denkbar, dass sie in einem Nachbarraum vor einem Bildschirm oder einer Leinwand sitzen. „Wir müssen das machen, um die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten“, sagt Pleines. Sie arbeitet zurzeit eine Digitalisierungsstrategie aus, mit der sie den Medieneinsatz und die Schulung der Dozenten plant.

Zuschüsse nur für Deutschdozenten

Die freien Dozenten der Volkshochschulen (VHS) in Deutschland müssen wegen des Corona-Lockdowns teilweise Hartz-IV beantragen. „Das finde ich ganz furchtbar ungerecht. Das wird dieser Berufsgruppe nicht gerecht“, sagt Inga Pleines, Leiterin der VHS Tornesch-Uetersen. Unterstützung kann sie immerhin an die Deutschdozenten vermitteln. Diese erhalten über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen 75-prozentigen Verdienstausfall nach dem Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG).

VHS baut Marketing im Internet aus

Die Corona-Pandemie sorgt allerorten für eine Verlagerung von Aktivitäten ins Internet. Dazu passt es, dass die Volkshochschule Tornesch-Uetersen ihr Online-Marketing ausbaut. Zuständig dafür ist die festangestellte Mitarbeiterin Katrin Stange. Erster Erfolg: Die VHS ist seit einer Woche bei Facebook vertreten: @vhstorneschuetersen2021. (Von Jan-Hendrik Frank)

 

 

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Foto: Urbatzka

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