Spannende Bürgermeisterwahl in Uetersen

25.10.2020

Woschei (SPD) und Karabacak (CDU) lieferten sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Foto: Dirk Woschei verbrachte den Wahlabend in der Kleinen Stadthalle. (Jan-Hendrik Frank)
Foto: Baris Karabacak feierte im Hotel Mühlenpark. (Jan-Hendrik Frank)

Uetersen Spannender Wahlabend in Uetersen: Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen stand am Sonntag gegen 20 Uhr fest, wer am 22. November in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt zieht. SPD-Kandidat Dirk Woschei hatte mit 29,7 Prozent die Nase vorn, dicht gefolgt von dem CDU-Bewerber Baris Karabacak mit 27,07 Prozent. Es war nicht damit zu rechnen gewesen, dass einer der fünf Kandidaten auf Anhieb die 50-Prozent-Hürde nehmen und damit die Wahl im ersten Durchgang für sich entscheiden würde.

Hohe Wahlbeteiligung

Der Grünen-Kandidaten Thorsten Berndt verpasste mit 24,67 Prozent den Einzug in die zweite Runde im Kampf um das Bürgermeisteramt. Weit abgeschlagen waren die Einzelbewerber Anne Lamsbach mit 9,86 Prozent und Bernd Möbius mit 8,7 Prozent. Letzterer hatte bereits 2014 zur Bürgermeisterwahl kandidiert und war nach der ersten Runde ausgeschieden. Die Wahlbeteiligung 2020 fiel mit 43,76 Prozent wesentlich höher als 2014 mit 38,22 Prozent im ersten Wahlgang aus.

Bezirk 3 wurde zweimal ausgezählt

Bei der Bekanntgabe der ersten Auszählungen des Abends um 18.54 Uhr lag Karabacak vorn: Er gewann den Wahlbezirk 6 (Friedrich-Ebert-Schule) mit 32,58 Prozent (sein bestes Ergebnis des Abends) und Bezirk 5 (Birkenallee-Schule) mit 28,01 Prozent. Dann zog Woschei an ihm vorbei. Der SPD-Kandidat entschied vier Wahlbezirke für sich, Karabacak insgesamt drei. Berndt gewann nur Bezirk 8 (ebenfalls Birkenalle-Schule) mit 29,92 Prozent der Stimmen. Zwischen der ersten Auszählung und der Bekanntgabe des Gesamtergebnisses verging fast eine Stunde: Die Stimmzettel aus dem Wahllokal 3 mussten zweimal ausgezählt werden.

Wahlpartys an verschiedenen Orten

Wegen der Corona-Pandemie präsentierte die Verwaltung die Ergebnisse nicht wie üblich im Rathaus. Stattdessen verfolgten die Kandidaten und ihre Wahlkampfteams die Auszählungen über das Internet: Woschei in der Kleinen Stadthalle, Karabacak im Hotel Mühlenpark, Berndt in der Kneipe Taps, Möbius erst zu Hause an der Kleinen Twiete und dann im Restaurant Ricci's. Lamsbach blieb in ihren eigenen vier Wänden an der Mühlenstraße.

Woschei: "Solide Arbeit ist den Menschen wichtig"

Dirk Woschei zeigte sich über sein gutes Abschneiden erfreut: "Das ist nicht ein klassisches SPD-Ergebnis. Hier ging es ganz stark um die Person." Der 42-Jährige verwies als Beispiel auf die Europawahl, bei der die Grünen 2019 in Uetersen mit 26,52 Prozent vorn lagen und die SPD 18,81 Prozent erreichte. Für seinen Wahlerfolg führte Woschei vor allem einen Grund an: "Bei mir steht im Vordergrund, dass ich verlässlich bin und für solide Arbeit stehe. Das ist den Menschen wichtig."

Karabacak: "Bin gegen Vorurteile angekommen"

Baris Karabacaks erster Ausruf nach der Auszählung aller Stimmen: "Es geht weiter!" Der 33-Jährige bedankte sich bei seinen Unterstützern: "Wir haben einen echt menschlichen Wahlkampf gemacht. Das haben die Uetersener gesehen. Wir werden es schaffen!" Er habe wegen seines Migrationshintergrunds anfangs gegen Vorurteile kämpfen müssen. "Aber ich bin dagegen angekommen. Ich bin ein Kreis-Pinneberger in dritter Generation." Karabacak bekräftigte, dass er der erste CDU-Bürgermeister in der Geschichte der Stadt Uetersen werden will.

Berndt: "Gutes Ergebnis für Klimaschutz und Verkehrswende"

Thorsten Berndt räumte ein: "Natürlich bin ich nach so einem Wahlkampf etwas enttäuscht." Mit Blick auf seinen Anteil von 24,67 Prozent stellte der 58-Jährige aber fest: "Das ist ein gutes Ergebnis, das für den Klimaschutz und die Verkehrswende spricht." Woschei und Karabacak müssten sich zu diesen Themen klar positionieren, wenn sie die Stimmen seiner Wähler gewinnen wollten. Berndt besitzt zwar kein Ratsmandat, will aber den Grünen-Ortsverband weiterhin politisch unterstützen.

Lamsbach: "Zum Glück habe ich mein Ratsmandat noch"

Anne Lamsbach kündigte an, weiterhin in der Uetersener Ratsversammlung mitarbeiten zu wollen. "Ich bin froh, dass ich mein Ratsmandat noch habe", sagte die 36-Jährige. Für eine Einzelbewerberin ohne Partei im Rücken habe sie ein gutes Ergebnis erreicht. "Für mich war es die Chance, es zu probieren. Für mich ist der Sieg, dass ich mich getraut habe."

Möbius: "Ich hatte mehr erhofft"

Bernd Möbius zeigte sich erfreut darüber, dass die Beteiligung höher als bei der vorherigen Bürgermeisterwahl ausgefallen war. Der 61-Jährige gratulierte dem Erst- sowie dem Zweitplatzierten und gab offen zu: "Ich bin enttäucht. Ich hatte für mich ein bisschen mehr erhofft."

(Von Jan-Hendrik Frank)

Die Redaktion direkt
Foto: Urbatzka

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