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Apotheken streiken: Protest gegen erhöhte Abgabe an Kassen

Viele Niederlassungen schließen am 19. Oktober

Viele Apotheken wollen am Mittwochnachmittag, 19. Oktober, streiken. (Symbolfoto: Hans auf Pixabay)

Kreise Pinneberg/Steinburg (jhf) Viele Apotheker streiken am Mittwoch, 19. Oktober. Ab 12 Uhr wollen sie ihre Türen schließen. Sie protestieren gegen die geplante Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Deren Defizit soll 2023 voraussichtlich 17 Milliarden Euro betragen. Deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz vorgelegt, das nach Angaben der AOK am Donnerstag, 20. Oktober, Thema im Bundestag sein wird.

Apotheken rechnen bundesweit mit Einnahmerückgang von 120 Millionen Euro

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Apotheken in den Jahren 2023 und 2024 pro Arzneimittelpackung 23 Cent mehr als bisher an die Krankenkassen abtreten. Nach Schätzung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA nähmen die Apotheken damit insgesamt etwa 120 Millionen Euro weniger ein. „Das macht sich schon bemerkbar“, sagt Apotheker Sönke Kehrhahn. Er wollte am Nachmittag nicht nur seine Apotheke an der Schulstraße schließen, sondern auch Pflegeheime nicht beliefern. Apotheker Jan Henning Staggenborg kündigte an, sich ebenfalls an dem Streik zu beteiligen. Er darf zwar seine Apotheke im E-Center A23 aufgrund seines Mietvertrags nicht schließen, will aber stattdessen ab 12 Uhr verstärkt mit Kunden über die Gründe des Streiks sprechen.

Lauterbach will Defizit auf mehrere Schultern verteilen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will nach Angaben seines Ministeriums das finanzielle Defizit der Kassen mit dem Gesetz auf mehrere Schultern verteilen. Auch die Apotheken sollen ihren Beitrag leisten und auf einen Teil ihrer Einnahmen verzichten. Es geht um den sogenannten Krankenkassen-Rabatt: Der Kunde zahlt in der Apotheke nur einen Teil des Preises, den das Medikament kostet. Den überwiegenden Rest übernehmen die Krankenkassen. Unter anderem zahlen sie den Apotheken pro Packung einer verschreibungspflichtigen Arznei einen Fixzuschlag von 8,35 Euro plus 3 Prozent vom Einkaufspreis, verlangen aber gleichzeitig einen Rabatt von 1,77 Euro. Dieser soll in den Jahren 2023 und 2024 auf 2 Euro steigen. Die Apotheken würden damit bundesweit etwa 120 Millionen Euro weniger einnehmen.

„Die Zahl der Apotheken sinkt dramatisch“

Apotheker Jan Henning Staggenborg warnt vor den Folgen: „Die Zahl der Apotheken sinkt dramatisch.“ Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA gibt es in Deutschland pro 100.000 Einwohner etwa 22 Apotheken. Der EU-Durchschnitt liegt bei 32 Niederlassungen. „Wenn die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Zukunft gewährleistet bleiben soll, muss gegengesteuert werden, denn die finanzielle, personelle und bürokratische Belastbarkeitsgrenze ist für viele Apotheken bereits erreicht“, schreibt der Verband. Staggenborg betont: „Wir sind am Limit. Wir können keine Gehaltserhöhungen durchwinken.“ Die Entlassung von Mitarbeitern sei keine Option, weil dann das übrige Personal unter höherem Druck arbeiten müsste.

Entwicklung der Apothekenvergütung liegt unterhalb der Inflationsrate

Der Fixzuschlag pro Arzneimittelpackung wurde laut ABDA zuletzt 2013 von 8,10 Euro auf 8,35 Euro angehoben. Der variable Vergütungsbestandteil beträgt seit 2004 unverändert 3 Prozent vom Apothekeneinkaufspreis. Staggenborg kritisiert, dass die Apothekenvergütung damit nicht nur deutlich unter dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 63,2 Prozent seit 2004, sondern auch unter der Tariflohnentwicklung in den Apotheken (+47,9 Prozent) und der Inflationsrate (+36,3 Prozent) liege.

Nicht alle Apotheker streiken

Die Privilegierte Apotheke Elmshorn (Privapo) am Wedenkamp streikte übrigens nicht. Mit Blick auf die komplexe Problematik sagte Inhaber Marten Stark: „Die Kunden können am wenigstens dafür.“

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