Commerzbank seit 100 Jahren in Elmshorn

Die Geschichte eines Hauses

Im Oktober feierte die Commerzbank den 100. Geburtstag der Elmshorner Filiale. Marktbereichsleiter Jan Buchholz gratulierte den Mitarbeiterinnen. (Foto: Commerzbank)

Elmshorn (rs) Die Commerzbank Elmshorn hat in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert. Am 10. Oktober 1921 eröffnete das Institut – damals noch unter dem Namen Commerz- und Disconto-Bank – eine Filiale in der Schulstraße 24, im ehemaligen Elmshorner Hof.

"Ein Schmuck für die Stadt"

Nach dem Umbau des Gebäudes hieß es in der Lokalpresse: „Das Haus macht einen vornehmen Eindruck und bildet einen Schmuck für die Stadt Elmshorn.“ Für eine reibungslose Kommunikation mit der Zentrale in Hamburg ließ die Bank eine eigene, direkte Fernsprechverbindung zwischen beiden Orten installieren. Die beiden ersten Filialleiter waren die Direktoren Hermann Engelbrecht und Julius Jürgensen. Letzterer sollte sogar bis 1943 an der Spitze der Filiale stehen.

Vielseitige Beziehungen seit Anbeginn

Mit der Ausweitung der Geschäfte in der Inflationszeit stieg der Platzbedarf. Daher erwarb die Commerzbank im Jahr 1923 vom Fotografen Henrik Detlef Röpke das Nachbargebäude Schulstraße 26 und ließ es umbauen. Nach der Währungsstabilisierung wurden Teile des Anbaus nicht mehr benötigt und im Laufe der 1920er-Jahre anderweitig vermietet. Die Filiale unterhielt sehr lebhafte und vielseitige Beziehungen zu Gewerbe und Industrie in Elmshorn und Umgebung. Langjährige Kunden waren unter anderem die Fleischwarenfabriken Gebrüder Rostock Fleischindustrie- u. Handels-AG, Holsteinische Schinkenräucherei „Holstenhof“ GmbH, Walter Reumann & Co. KG vorm. Hamburger Schinken- und Fleischwarenfabrik GmbH, ferner die Margarinefabriken Holsteinische Margarinewerke Wagner & Co. und Rostock Gebrüder Friedrich Söhne AG, die Lederwerke Johann Knecht & Söhne GmbH, des Weiteren die Elmshorner Bekleidungsfabrik Johann Berger, die Baumschulen J. Timm & Co. und der Düngerhandel West eGmbH.

Einschnitte zu Kriegszeiten und Ausbau in Wirtschaftswunderjahren

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Banken auf behördliche Anweisung an zahlreichen Orten Filialen schließen. Auch der Standort Elmshorn stellte im März 1943 die Tätigkeit ein. In dem Gebäude kamen unter anderem das Finanzamt, die Volksbank und die Lohnsteuerstelle des Finanzamts als Mieter unter. Auf vielfachen Wunsch kehrte die Commerzbank nach dem Krieg nach Elmshorn zurück und nahm am 1. April 1953 als erste Großbank hier wieder den Geschäftsbetrieb auf.

Zunehmende Bedeutung für Privatkunden

In den Jahren des „Wirtschaftswunders“ wurden auch die Angebote für private Kunden immer wichtiger, wie Kleinkredite und Reisezahlungsmittel. Bereits 1959 wurden die Geschäftsräume daher umfassend renoviert und erweitert.

Neubau 1979

Zu einer einschneidenden baulichen Veränderung kam es in der Mitte der Siebzigerjahre. Die vielbefahrene Bundesstraße 431 sollte verbreitert werden, sodass sich die Commerzbank veranlasst sah, einen Grundstückstreifen abzugeben. Dafür konnte sie ein Nachbargrundstück erwerben und an gleicher Stelle einen Neubau errichten. Die Planung lag beim hiesigen Architektenbüro Thee & Kluwe. Nach ihren Entwürfen entstand ein Gebäude mit drei Geschossen, von denen die Bank das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss selbst nutzte. Die Außenfront wurde als Rotklinkerbau gestaltet, der mit Kupfer abgesetzt war. Mit diesen bewusst gewählten nordischen Baumaterialien passte sich die Fassade gut an die Nachbarbauten an. Der Kassenraum wurde mit einem Glaszelt überdacht, das zwei Etagen zentral überspannte und für sehr gute Lichtverhältnisse sorgte.

Wandel vom Bankschalter zu Beratungstischen

Der Neubau konnte am 12. Oktober 1979 mit zahlreichen Gästen offiziell eingeweiht werden. In der rund 280 Quadratmeter großen Kundenhalle wurde zugleich das neue Konzept der integrierten Kundenberatung verwirklicht. Anstelle der herkömmlichen Bankschalter für verschiedene Dienstleistungen sah das Raumkonzept eine offene Gestaltung mit einzelnen Beratungstischen vor. Den Kunden standen somit ein/e Ansprechpartner/in für alle finanziellen Angelegenheiten zur Verfügung, von der Kontoeröffnung über Fragen zur Geldanlage bis hin zum Verfügungs- und Ratenkredit.

„Dienstältester Bankdirektor

Trotz der Neuerungen wurde aber auch Tradition in der Filiale groß geschrieben. 1984 ging Günther Postpischil, der die Filiale als „dienstältester Bankdirektor“ im Elmshorn seit 1961 für über zwei Jahrzehnte geleitet hatte, in Ruhestand. In seiner Nachfolge wurden Uwe Noffke für das Firmenkundengeschäft und zusätzlich ab 1992 Hans Peter Böhm für das Privatkundengeschäft verantwortlich.

Technischer Fortschritt und Fusion

Ende der Neunzigerjahre erforderte die fortschreitende Technisierung des Bankbetriebs eine umfassende Modernisierung der Räumlichkeiten. Im Erdgeschoss wurden die Kundenberatung und der Service mit Kasse, Information und Annahme neugestaltet, ebenso wie die anderen Beratungs- und Büroräume. Die Eröffnung fand nach einjähriger Umbauphase im September 1998 statt.

Anfang 2009 hat die Commerzbank die Dresdner Bank abschließend übernommen. Die Dresdner Bank war seit 1973 in Elmshorn präsent. Ihre Filiale befand sich nicht weit entfernt in der Schulstraße 10-12. Beide Geschäftsstellen wurden im Juli 2012 am Standort Schulstraße 26-28 zusammengeführt. Die Commerzbank Elmshorn ist heute mit Geld- und Einzahlautomat, Serviceterminal und Kontoauszugsdrucker auf dem banktechnisch neuesten Stand und bietet Schließfächer an. Das Leistungsangebot umfasst alle Fragen rund ums Konto, ferner Kredite, Baufinanzierung, Vermögensanlage sowie Vorsorge und Absicherung.

Seit 2008 leitet Marktbereichsleiter Jan Buchholz erfolgreich die Filiale Elmshorn. Die Fusion mit der Dresdner Bank, die Digitalisierung, die Niedrigzinsphase und die Auswirkungen der Pandemie haben seine bisherige Zeit als Führungskraft in Elmshorn wesentlich geprägt.

Trend geht zu Mobile Banking

Die Nutzung digitaler Anwendungen hat stark zugenommen. „Dabei geht der Trend gerade im Privatkundengeschäft eindeutig Richtung Mobile-Banking“, sagt Jan Buchholz. So ist die Zahl der Banking-App-Nutzer in der Region in 2020 um 31 Prozent gestiegen. Die Commerzbank entwickelt die Banking-App dabei stetig weiter. Seit Juli 2020 können Kunden zum Beispiel auch Wertpapiere per Smartphone kaufen oder verkaufen. Bei der Neukundengewinnung spielen digitale Kanäle ebenfalls eine immer größere Rolle. Jeder dritte Neukunde kam 2020 bereits online zur Commerzbank. „Insgesamt haben wir 2020 im Marktbereich Elmshorn netto 900 neue Kunden gewinnen können. Wir betreuen hier nun insgesamt gut 22.000 Kunden“, so Jan Buchholz, „davon rund 12.000 Kunden in Elmshorn. Bezogen auf die Einwohnerzahl Elmshorns (etwa 50.000) ist damit jeder vierte Elmshorner Kunde.“

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