Corona-Lockerungen bringen Aufbruchstimmung

„Pack die Badehose ein: Wir fahren in den Urlaub!“

Ein Jahr sind sie wegen Corona nicht verreist. Jetzt heißt es für Anna (von links), Tanja, Hans-Jürgen, Ida und Madita Dreyer endlich: „Auf nach Scharbeutz!“. Die Familie aus Seestermühe ist voll auf Urlaub eingestimmt. (Foto: Jan-Hendrik Frank)

Kreis Pinneberg (jhf) Im Kreis Pinneberg kommt Urlaubsstimmung auf. Die Betreiber von Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen in Schleswig-Holstein dürfen ab Montag, 17 Mai, wieder im großen Stil Gäste aufnehmen. Viele Menschen wollen deshalb verreisen, wie eine nicht repräsentative Umfrage in Elmshorn zeigt.

Neue Corona-Bekämpfungsordnung

Zuletzt durften Gastgeber in Schleswig-Holstein wegen der Corona-Pandemie nur solche Menschen beherbergen, die berufliche, medizinische oder sogenannte sozial-ethische Gründe vorweisen konnten. Jetzt kommen Lockerungen. Die Landesregierung beschloss eine neue Corona-Bekämpfungsverordnung.

Mit negativen Tests dürfen Gäste ins Hotel

Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe dürfen unter Auflagen öffnen: Gäste müssen bei der Anreise negative Tests vorweisen. Antigen-Schnelltests dürfen bis zu 24 Stunden, PCR-Tests bis zu 48 Stunden alt sein. Alle drei Tage sind neue Nachweise vorzulegen. Gemeinschaftsduschen auf Campingplätzen und in Freibädern dürfen geöffnet werden. Menschen mit negativen Corona-Tests können auf Ausflugsschiffen mitfahren. Wirte dürfen in ihren Räumen Gäste bewirten, wenn diese Tests mit negativen Ergebnissen oder Impfbescheinigungen vorlegen, außen ist das nicht notwendig.

Reisefieber

Bei vielen Menschen herrscht Aufbruchsstimmung. „Ja, klar verreisen wir“, sagt Hans-Jürgen Dreyer (55), Vater einer fünfköpfigen Familie in Seestermühe. Ziel ist eine Ferienwohnung in Scharbeutz. Sonst fuhr die Familie in jedem Sommer dorthin. Ein Jahr musste sie verzichten. Der Nachholbedarf ist groß.

Manchen Bürgern fehlt wegen Corona das Geld zum Reisen

Doch nicht jeder kann sich Urlaub leisten. „Mein Mann ist selbstständig und hat keine Aufträge“, berichtet eine 41-jährige Mutter von zwei Kindern. Sie möchte anonym bleiben. Die Familie will vielleicht im November für ein Wochenende nach Büsum fahren – „weil es dann billiger ist“.

Nicht jeder packt die Koffer

„Das Fernweh ist da. Ob eine Reise machbar ist, muss ich sehen“, sagt Roman Kindsvater. Eine Reise durch Deutschland wäre ein guter Anfang, aber am liebsten würde der 37-jährige Elmshorner nach Italien fahren. „Italien ist meine Passion.“ Seit zwölf Jahren erkundet er das Land.

Heimweh nach der Türkei

Hakan Dagci aus Elmshorn zieht es in die Türkei zu seiner Familie. „Das ist mein Land, da sind meine Cousins und Cousinen“, begründet der 37-jährige Vater von drei Kindern seinen Reisewunsch. Normalerweise verbringt die Familie jede Sommerferien in der Türkei. Dagci befürchtet nicht, sich dort mit dem Corona-Virus anzustecken. Begründung: Seine Verwandten leben auf einer kleinen Insel.

In der Türkei mit Corona angesteckt

Beyza Dikmen infizierte sich allerdings vor zwei Monaten in der Türkei mit Corona. Einen Monat musste die 18-jährige Elmshornerin dort in Quarantäne verbringen. Erst als der Test negativ ausfiel, durfte sie zurückreisen. Einen Tag nach der Ankunft in Deutschland schlug ein erneuter Test jedoch wieder positiv an. Sie musste nochmals in Quarantäne.

Pflegerin verzichtet aus Verantwortungsgefühl auf Reise

Rahima Nesimovic arbeitet in der Pflege und will deshalb nicht verreisen. „Ich will mich nicht in Gefahr bringen. Es ist wichtig, dass ich gesund bleibe“, sagt die 56-jährige Elmshornerin. „Viele sind leichtsinnig, und dann leiden Unschuldige.“ Sie fährt lieber zusammen mit ihren Enkeln Fahrrad und macht Picknick.

Zurückhaltung wegen möglichem Stornierungs-Ärger

Fenja Larive bucht vorsichtshalber keine Reise. Die 33-jährige Elmshornerin befürchtet, diese nicht antreten zu können, wenn sich die Regeln wieder ändern sollten.

Mit Maske an den Strand? Nein, danke!

Christine Dannenberg hat Fernweh, bleibt aber zu Hause. „Ich habe keine Lust, am Strand mit einem Mundschutz rumzurennen und dann vielleicht ins Restaurant zu dürfen oder auch nicht“, sagt die 62-Jährige aus Klein Offenseth-Sparrieshoop.

Reisen höchstens nach Impfung

Yannick (25) und Jenny Stölten (23) aus Uetersen verreisen nicht. „Es ist alles so ungewiss“, sagt er. Das Paar würde höchstens nach einer Impfung und mit der Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung buchen.

Klimaschutz geht vor

Für Tull Kahl (66) aus Elmshorn kommen Flugreisen aus Gründen des Klimaschutzes nicht infrage. Er fährt demnächst nach Sylt und nimmt an einem Seminar der Volkshochschule teil. Das sei am günstigsten.

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