Haselau: Junge Bäuerin trotzt Höfesterben

Sandra Schüder setzt auf glückliche Hühner, Schafe und Dinkel-Boom

Hilde Schüder (5, links) liebt die Hühner ihrer Mutter Sandra Schüder. (Foto: Jan-Hendrik Frank)

Sandra Schüder versorgt Schafe. Ihre Kinder Hinrich und Hilde begleiten sie dabei zu gern. (Foto: Jan-Hendrik Frank)

Kreise Pinneberg/Steinburg (jhf) Sandra Schüder stellt sich gegen den Trend. Während immer mehr Landwirte in den Kreisen Pinneberg und Steinburg ihre Betriebe aufgeben, übernahm die 38-Jährige im Juli den Bauernhof ihres Vaters Ernst Schüder (66) in Haselau mit 75 Hektar Land, 250 Mutterschafen und 1600 Legehennen. „Ich bereue es nicht, aber es ist schon speziell“, sagt die dreifache Mutter.

Zahl der Höfe in 20 Jahren fast halbiert

Immer mehr Bürokratie, kaum Freizeit, ein hohes  finanzielles Risiko, keine Nachfolger: Das Höfesterben in der Region schreitet aus diesen Gründen voran. „Der Rückgang hat Fahrt aufgenommen“, sagt Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Pinneberg/Steinburg. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis Pinneberg halbierte sich in 20 Jahren nahezu. Sie sank von 2000 bis 2020 um 48 Prozent auf 686 Höfe. Im Kreis Steinburg verringerte sie sich in dieser Zeit um
38 Prozent auf 962 Betriebe.

Nachfrage nach veganen Lebensmitteln als Chance

Sandra Schüder gab trotzdem ihren Job als Industriekauffrau auf, ließ sich zur Landwirtin ausbilden und wechselte in die Selbstständigkeit. „Ich komme mit weniger Geld wesentlich besser klar und bin zufriedener.“ Künftig will sie die gestiegene Nachfrage nach veganer Ernährung bedienen.

„Ich genieße die Landwirtschaft“

An manchen Tagen sitzt Sandra Schüder ab 5 Uhr im Büro, weckt dann ihre Kinder Hilde (5), Hinrich (2) und Jonny (1), versorgt tagsüber ihr Vieh, bestellt ihre Äcker, bewirbt ihren Betrieb, den Hof Schüder in Haselau an der Altendeicher Chaussee, bei Instagram und fällt um 20.30 Uhr todmüde ins Bett.

Beim Lammen nachts alle drei Stunden im Stall

Wenn die Schafe im März und April lammen, gehen die 38-Jährige sowie ihre Eltern Christel und Ernst Schüder zudem nachts alle drei Stunden abwechselnd in den Stall, um den Tieren zu helfen. „Hin und wieder ist es schwierig, wenn die Kosten hoch gehen, weil eine Maschine defekt ist“, räumt die Landwirtin ein. Trotzdem gehe es immer weiter. „Ich genieße es zu sehr, obwohl alles viel Arbeit ist.“

Nach zehn Jahren als Industriekauffrau Wechsel in die Landwirtschaft

Sandra Schüder wuchs auf dem Hof auf, der seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist. Sie arbeitete zehn Jahre als Industriekauffrau, hatte viel Freizeit und wesentlich mehr Geld als heute. Im Juli übernahm sie den Betrieb des Vaters. „Ich vermisse das Übermaß an Freizeit nicht.“ Als Industriekauffrau habe sie „immer dasselbe“ gemacht. Das Leben auf dem Bauernhof dagegen sei vielfältig. „Man muss mit den Jahreszeiten arbeiten und ist viel draußen. Eier sortieren ist meditativ.“ Beruf und Familie ließen sich gut verbinden. Ihr Partner Marten Plüschau führt einen Ackerbaubetrieb in Hohenhorst.

Sandra Schüder setzt auf hochwertig produzierte Lebensmittel

Sandra Schüder verkauft Eier an Restaurants, Fleischereien, Supermärkte und über ihren Hofladen. Zudem vertreibt sie Mastlämmer und -hähnchen. Nicht nur als Mutter liegt es ihr am Herzen, hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Laut Gesetz darf sie neun Hühner pro Quadratmeter halten. „Unsere haben mindestens doppelt so viel Platz und bekommen Futter ohne Gentechnik.“ Für die Produktion von Bio-Eiern eigne sich der Standort nicht. Jedes Huhn bräuchte einen Auslauf von vier Quadratmetern Grünfläche. Der Marschboden sei dafür aber zu schlammig.

Künftig mehr Anbau von Dinkel, Roggen, Winterackerbohnen, Hafer und Süßlupinen

Um sich auch künftig mit ihrem Betrieb zu behaupten, strebt Sandra Schüder neue Kooperationen an. 2020 baute sie erstmals Dinkel an. „Die Welt schreit nach Dinkel, also mache ich Dinkel.“ In einer Müllerei will sie daraus Frühstücksflocken quetschen lassen. Im Winter wird sie auf den Weizenanbau verzichten und stattdessen Dinkel, Roggen und Winterackerbohnen säen. Letztere seien bei Veganern gefragt. Im Frühjahr sollen Hafer und Süßlupinen folgen. Aus ihren Eiern möchte sie Nudeln fertigen lassen.

Unabhängig vom Preisdiktat des Großhandels

Die 38-Jährige will von den Preisdiktaten des Großhandels unabhängig bleiben und verkauft ihre Produkte daher über Supermärkte in der Region. „Das macht viel Arbeit, aber dafür kann ich auch beim Preis mitreden.“ Den Stolz will sie sich bewahren.

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