Investitionen lohnen nicht mehr

So marode ist das Elmshorner Rathaus

Das Elmshorner Rathaus ist ein Sanierungsfall. (Rainer Strandmann)

Elmshorn (rs) Es war im März 2012. Da wurde Elmshorns Politikern von der Verwaltung ein Zeitplan vorgestellt, wann ein saniertes Rathaus mit Anbau bezogen werden könnte, sofern man sich dafür entscheiden würde (Frühjahr 2015), und wann ein kompletter Neubau (Oktober 2016). Im Rückblick bemerkenswert: Schon damals beklagten Verwaltung wie Politik, dass alles so lange dauere.

Kostenschätzung für Neubau stiegen von 15,3 auf 47 Millionen Euro

Nun: 2021 ist mit dem Neubau noch nicht einmal begonnen worden. Das hat Folgen. 2012 war – zugegeben für einen sehr viel kleineren Neubau als den heute geplanten – von Baukosten von 15,3 Millionen Euro ausgegangen worden. Heute lautet die Zahl: mindestestens 47 Millionen Euro.

Löcher, blinde Fenster, Flickwerk

Zugleich nagt der Zahn der Zeit am bestehenden Rathaus. Seit fünf Jahren gilt die Anweisung von Bürgermeister Volker Hatje, kein Geld mehr – außer dem allernotwendigsten – in den Altbau zu stecken. Denn der müsste für eine künftige Nutzung komplett entkernt werden, egal, wer das Gebäude später belegt. Doch schon in den Jahrzehnten zuvor wurde die Unterhaltung vernachlässigt. Entsprechend ist der Zustand: Neben extremer Hitze im Sommer und Kälte im Winter zehren regelmäßige Rohrbrüche und verstopfte Leitungen an den Nerven der Mitarbeiter. Löcher im Flur, blinde Fenster, Flickwerk an allen Ecken und Enden.

„Die Mitarbeiter halten noch durch", sagt Bürgermeister Volker Hatje

Das Elmshorner Rathaus verfällt rasant. Zugleich lässt der geplante Neubau auf sich warten. Wie lange lässt sich der Verzicht auf Investitionen noch durchhalten? „Wir können hier keine Grundsanierung mehr machen“, erklärte Bürgermeister Volker Hatje auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir versuchen zu flicken und uns zu behelfen. Die Mitarbeiter halten noch durch.“

Sanitäranlagen oft gesperrt

Dabei sind die Zustände teils katastrophal. Abwasser- und Trinkwasserleitungen sind komplett auf. Immer wieder müssen Sanitäranlagen gesperrt, Verstopfungen beseitigt oder Rohrbrüche behoben werden. Türen und Wände weisen Spuren 50-jähriger Benutzung auf, Kabel hängen herunter, Schiebefenster sind erblindet und lassen sich nicht austauschen, weil neue zu schwer wären.

Telefonanlage überlastet

Das WLAN ist überlastet, die Telefonanlage ebenfalls. „Weil viele Mitarbeiter im Homeoffice sind, belegen sie zwei Leitungen für Ein- und Ausgang“, schildert Hatje. Zu viel für die Anlage. Teils sind Mitarbeiter deshalb nicht erreichbar. „Eigentlich müsste das Haus komplett neu verkabelt werden“, so der Verwaltungschef. Behoben werden stattdessen nur Kleinigkeiten.

Bürgermeister: Das neue Rathaus muss schnell gebaut werden

„Wenn Abteilungen umziehen, was häufiger der Fall ist, streichen wir schon mal ein Zimmer“, erklärt Hatje. Auch völlig abgenutzte Teppiche würden ersetzt. „Ansonsten leben wir mit dem, wie es ist.“ Allen Widrigkeiten zum Trotz würden die meisten der 200 Mitarbeiter im Haus weiter lieber dort als in einer der sanierten Außenstellen arbeiten. Hatje vergleicht die Situation mit der alten KGSE. Auch die sei damals völlig heruntergekommen gewesen, dennoch hätten Jugendliche und Lehrkräfte sie mit der „Schulstraße“, dem breiten zentralen Gang als Begegnungsstätte, geliebt. „Auch unsere Mitarbeiter halten uns die Stange, wenn das Arbeitsumfeld stimmt“, sagt Hatje. Trotzdem lautet sein Appell an die Politik, das neue Rathaus schnell zu bauen. (Von Rainer Strandmann)

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