Kreise Pinneberg und Steinburg

Bauholz-Preise haben sich in sechs Monaten verdreifacht

Kreishandwerksmeister Norbert Lanz geht davon aus, dass das Bauen langfristig erheblich teurer wird. (Foto: Jan-Hendrik Frank)

Kreise Pinneberg und Steinburg (jhf) Die Preise für Bauholz wie Fichte, Lärche und Kiefer explodieren. „Es ist in einem halben Jahr doppelt und dreifach so teuer geworden“, stellt Norbert Lanz, Kreishandwerksmeister und Obermeister der Baugewerbe-Innung Westholstein für die Kreise Pinneberg und Steinburg, fest. „Solche Preissprünge habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 65-Jährige. Zehn Jahre habe sich der Holzpreis in etwa auf einem Niveau gehalten. Jetzt könnten sich Handwerker nicht mehr darauf verlassen, dass ein Angebot, das ihr Lieferant heute nennt, auch morgen noch gilt. „Die Holzpreise sind Tagespreise.“

Lieferzeiten verlängern sich

Gleichzeitig verlängern sich die Lieferzeiten, berichtet Lanz. Ein Anbieter kündigte an, Dämmplatten bei sofortiger Bestellung Anfang September liefern zu können. „Wenn du nächste Woche bestellst, ist es fraglich ob du es dieses Jahr noch bekommst“, hörte Lanz.

Grund: Starke Nachfrage aus USA und China

Hauptgrund des Preisanstiegs sei die wachsende Nachfrage nach europäischem Holz in den USA und in China. Die Sägewerke hätten mit Abnehmern in diesen Staaten teils Verträge über große Kontingente abgeschlossen. Bisher habe Deutschland stolz darauf sein können, dass der Wald mehr Holz erzeugte, als verbraucht wurde. Dieses Gleichgewicht sei durch den Export gekippt. Die trockenen Sommer schadeten dem Wald zwar, weil sich der Borkenkäfer stark ausbreitete. Doch Lanz ist sich sicher: „Ohne den großen Export könnten wir unseren Bedarf nach wie vor decken.“

Handwerker können Gewinn-Margen nicht mehr halten

Für Handwerker werde es zunehmend schwieriger, ihre Gewinn-Margen zu halten. „Wir machen gnadenloses Minus“, sagt Lanz. Wenn ein Betrieb im Oktober bei einer Ausschreibung den Zuschlag erhielt, beginne er möglicherweise jetzt mit dem Bauen. Doch die Holzpreise von damals gelten längst nicht mehr. Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz habe die Kommunen aufgefordert, die Differenz zu zahlen.

Vermutung: Bauen wird teurer

Das Handwerk habe zuletzt gute Jahre erlebt. „Da ist es möglich, eine Durststrecke durchzustehen“, sagt Lanz. Er glaubt aber nicht, dass die Preise wieder sinken. „Bauen wird in absehbarer Zeit sehr teuer werden.“

Handwerker hoffen auf Entspannung in 2022

Der Preisanstieg bei Bauholz um 200 bis 300 Prozent setzt Handwerker in den Kreisen Pinneberg und Steinburg zunehmend unter Druck. „Es ist die absolute Katastrophe“, sagt Christoph Magritz, Geschäftsführer des Meisterbetriebs Scheidt Holzbau in Klein Nordende. Er könne für seine Leistungen nicht den doppelten Preis vom Kunden verlangen. „Wenn ich 200 bis 300 Prozent mehr Kosten habe, ist meine Marge gleich Null.“ Magritz hofft, dass sich die Bezugspreise im kommenden Jahr entspannen.

Rohstoffeinkauf per eBay

Zurzeit kämpft er darum, Holz überhaupt einkaufen zu können. Da Sägewerke Bestellstopps verhängt hätten, schaue er bei eBay und eBay-Kleinanzeigen nach dem Rohstoff. Zugleich spreche er mit Kunden, ob sie mehr zahlen können. Der Klein Nordender geht nicht davon aus, dass der Export in die USA wirklich die Preise in die Höhe getrieben habe. „Die Sägewerke verdienen sich zurzeit eine goldene Nase“, vermutet er.

Unternehmer bietet Kunden Rücktritt von Aufträgen an

Christian Niemann, Inhaber der Elmshorner Zimmerei und Tischlerei holztec, sagt: „Ich kriege jeden Tag die Krise, wenn ich die Einkaufskonditionen und Verfügbarkeiten sehe.“ Der Einkaufspreis für Dachlatten habe sich innerhalb von vier Woche vervierfacht. Der 31-Jährige gibt die Steigerung weiter. „Wir haben alle Kunden angerufen und ihnen freigestellt, von den Aufträgen zurückzutreten.“ Noch habe aber niemand storniert, weil die Konkurrenz mit denselben Problemen kämpfe. Auf Rechnungen weist Niemann den Preisanstieg bei den Rohstoffen inzwischen separat aus, um für Transparenz zu sorgen.

Eine Stunde Aufwand täglich für Materialbeschaffung

Die Materialbeschaffung werde immer aufwändiger. Niemann braucht dafür täglich rund eine Stunde. Beispiel: Sein Betrieb verarbeitet pro Jahr tausende Grobspanplatten, sogenannte OSB-Platten, für den Holzrahmenbau und die Bodenflächen. Normalerweise könnten die Lieferanten sie am Tag der Bestellung bereitstellen. Niemann erhielt kürzlich die Auskunft, dass sie erst Ende Mai, Anfang Juni wieder verfügbar seien. Dank einer Lagerhaltung kann Niemann trotzdem bauen.

Gute Lagerhaltung nötig

Sören Hamann, Inhaber des gleichnamigen Holzhandwerks- und Handelsunternehmens in Klein Offenseth-Sparrieshoop, berichtet: „Ich kann zehn Carports nicht zumachen, weil die Blenden fehlen.“ 2020 betrug die Lieferzeit bei Kiefer ein bis zwei Wochen, inzwischen 15 Wochen. Noch könne er damit leben, weil jetzt die Vorproduktion für die Auslieferung an die Kunden im Juli, August und September laufe. Um auch danach nicht in Engpässe zu geraten, hat er die Lagerbestände hochgefahren. Der 44-Jährige ist froh, genügend Mitarbeiter zu haben. „Aus Montagesicht können wird den Bedarf gut stillen, aber wir verlieren Marge.“

Tischlereien weniger betroffen

Sven Waltemathe, Inhaber der Tischlerei Schölermann in Moorrege, berichtet, dass der Preis für Edelhölzer wie Buche und Eiche kaum gestiegen sei. „Wir sind als Tischlerei nicht so betroffen“, so der 50-Jährige. Die Beschaffung werde aber auch bei ihm schwieriger.

Händler: Hamsterkäufe werden zum Problem

Carsten Junge (56), Geschäftsführer des Elmshorner Unternehmens Holz Junge, beliefert bevorzugt Bestandskunden und muss bei Anfragen von Neukunden stark nach Produktverfügbarkeit abwägen. Ein Problem stellten Hamsterkäufe dar. Dank einer vorausschauende Disposition, guter Kontakte zu Lieferanten und großer Lagerfläche könne er aber alle Produkte liefern. Junge befürchtet, dass das Neubauvolumen sinken könnte.

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