Tierhaltung in Elmshorn

Aufs Huhn gekommen – Anni Görs im Glück

Niedlich: Die Elmshornerin Anni Görs mit drei Tage alten Hühnerküken. (Foto: Juilka Zeuch)

Elmshorn (jz) Hühner zu halten, liegt voll im Trend. Die Anzahl kleiner Haltungen bis zu 50 Tieren hat sich von circa 550 im Jahr 2015 auf aktuell 1020 Hobby-Halter und Betriebe im Kreis Pinneberg fast verdoppelt. Für Anni Görs bringen ihre Hühner Farbe und Glück in den Garten. Die Elmshornerin hält mitten in der Stadt eine große Schar der Tiere.

Als der Hahn ausbüxte

Langweilig wird es nie. Die 30-Jährige hat einige Anekdoten auf Lager. Zum Beispiel, als ihr Hahn ausgebüxt ist. Einfangen konnte ihn niemand. Um 2 Uhr morgens hörte man ihn in Nachbars Garten aber munter krähen. Vier Wochen später standen drei Kinder mit dem Hahn auf dem Arm vor ihrer Haustür und brachten ihn wohlbehalten zurück. Der Hahn hatte zwar zwischenzeitlich alle Tomaten der Nachbarn abgefressen. Aber dem guten Verhältnis hat es nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Drei der direkten Nachbarn hat Anni Görs mit ihrer Leidenschaft angesteckt. Diese halten jetzt selbst Hühner.

Das Paradies hinter dem Holztor

Ein kleines Einfamilienhaus in Elmshorn, mitten in einer gewöhnlichen Wohnsiedlung. Niemand würde vermuten, dass sich hier im Garten ein Hühnerparadies befindet. Man muss nur ein Stück über die Einfahrt gehen und ein hohes Holztor öffnen – und schon befindet man sich mittendrin.

Ein einsames Küken

25 Hühner, vier Hähne und 53 Küken sind hier zusammen mit Anni Görs und ihrem Mann zu Hause. Wie kommt man zu so vielen Hühnern im eigenen Garten, wenn es da keine Familientradition im Hintergrund gibt? „So wie die Jungfrau zum Kinde!“, sagt die gebürtige Elmshornerin. Sie war mit einer Freundin unterwegs, um auf einem Bauerhof in Dithmarschen einen gebrauchten Schrank abzuholen. Dort angekommen, saß auf dem Hof in eine Ecke gekauert ein einsames Küken, verstoßen von seiner Mutter. Der 30-Jährigen ging das Herz auf, sie nahm das Küken hoch in ihre Hand und der Bauer bemerkte nur: „Nimm das Vieh mit, will eh keiner haben.“

Jungvögel im Brutkasten

Gegen Mitternacht kam sie – mit Schrank und Küken im Gepäck – zurück nach Hause. Das war vor sechs Jahren. Die junge Frau setzte ihrem schlafenden Mann das Kleine auf den Bauch mit den Worten: „Boris Breuler wohnt jetzt hier.“ Und so nahm die Geschichte mit den Hühnern ihren Lauf, denn ein Huhn hält man nicht allein. Es folgten vier schon etwas ältere Hennen, die zu verschenken waren. Sie nahmen das Küken auf, das vorher noch kurzzeitig im Haus mitlebte. Das Interesse war bei Görs geweckt und so setze sie sich näher mit den unterschiedlichen Rassen auseinander. Der Tagesablauf jeder Hühnerrasse ist zwar mehr oder weniger gleich, doch Charakter und Eigenschaften können sich deutlich unterscheiden. Görs entschied sich für Barnevelder und Zwerg-Cochins aufgrund der Optik und da sie gut Eier legen. Sie besorgte sich Bruteier und einen Brutkasten und zog ihre ersten Jungvögel im Garten auf.

Tipps von der Veterinäraufsicht

Der Trend zum Huhn nimmt im Kreis Pinneberg, wie auch deutschlandweit, zu. Zukünftige Hobbyhalter sollten jedoch wesentliche Punkte berücksichtigen. „Hilfreich ist es in jedem Fall, sich vorher mit den Nachbarn abzustimmen, um zum Beispiel Ärger durch Lärmbelästigung im Vorwege zu vermeiden“, so Dr. Antje Lange von der Veterinäraufsicht Kreis Pinneberg. „Auch die Vogelgrippe kann immer wieder mal zu einer durch den Kreis angeordneten Stallpflicht führen. Dann dürfen die Tiere nicht raus“, so Lange. Görs kann davon ein Lied singen, denn seit Mitte November 2020 ist dies der Fall. Sie freut sich, wenn sie ihre Hühner und Hähne bald wieder freilaufend und scharrend im Garten sehen kann.

Die erste Geflügelausstellung

Und noch eine Freude hat die junge Frau. Seit Kurzem hat sie sich dem Rassegeflügelzuchtverein Tornesch angeschlossen und im Herbst vergangenen Jahres mit sechs ihrer schönsten Tiere an ihrer ersten Geflügelausstellung teilgenommen. Auch Marco Hagen, Vorsitzender des Vereins, bemerkt zunehmend jüngere Mitglieder. Görs kann sich ein Leben ohne Hühner nicht mehr vorstellen. Das Schönste für sie ist: „die Gesellschaft der Tiere und natürlich auch die Frühstückseier.“

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