Kinostart am 12. August

Uetersener Gerrit Gronau produziert DDR-Drama "Nahschuss"

Gerrit Gronau aus Uetersen organisierte die Finanzierung des Kinofilms „Nahschuss“ von Regisseurin Franziska Stünkel. Der Streifen kommt am 12. August in die deutschen Kinos. (Foto: Eva Neidlinger)

Uetersen (jhf) Gerrit Gronau ist der auffällig unauffällige Typ mit Aktenkoffer, der in millionenschwerer Mission im Wettlauf gegen die Zeit in den Zug springt. Der Ex-Uetersener steht in dieser Rolle aber nicht vor der Kamera. Als angehender Filmproduzent setzt er vielmehr hinter den Kulissen alle Hebel in Bewegung, damit Geld fließt und Filme überhaupt gedreht werden können.

1. Kinospielfilm von Gerrit Gronau als Junior-Producer

Daher ist es auch dem 29-Jährigen zu verdanken, dass am 12. August das DDR-Drama „Nahschuss“ in die deutschen Kinos kommt. Es ist der 1. Kinospielfilm, an dem Gronau als Junior-Producer arbeitete. Sein Einsatz dafür war filmreif: Vor etwa sechs Jahren packte der Absolvent des Ludwig-Meyn-Gymnasiums einen Koffer mit zwölf Aktenordnern. Sie enthielten Förderanträge samt Plänen, Kalkulationen und dem Drehbuch. Damit sprang Gronau in Hamburg in den Zug nach Berlin und lieferte die Akten bei der Beauftragten für Kultur und Medien ab – kurz vor Büroschließung am Tag des Fristendes. „Per Post oder Kurier wäre es zu spät angekommen“, sagt er.

Historisches Vorbild

Es gab ein Happy End: Das Team um Regisseurin Franziska Stünkel erhielt die Förderung – „nicht wegen mir“, bemerkt Gronau bescheiden. Der Film habe „zwei bis drei Millionen Euro“ gekostet.
Zu einem Happy End kommt es in dem Film „Nahschuss“ nicht. Regisseurin Stünkel erzählt die Geschichte des Stasi-Mitarbeiters Franz Walter (dargestellt von Lars Eidinger). Er will aussteigen und muss dafür mit dem Leben bezahlen. Der Streifen ist inspiriert von Werner Teske, der als letztes Hinrichtungsopfer der Ex-DDR gilt. Sein Todesurteil wurde vor 40 Jahren, im Juni 1981, in Leipzig vollstreckt.

Gerrit Gronau war acht Jahre beteiligt

„Ich war acht Jahre an diesem Film beteiligt. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Film nach so langer Zeit doch noch fertig wird“, sagte Gronau. Deshalb sei er froh, dass der Streifen endlich einem Publikum gezeigt wird – und das auch noch auf großer Leinwand. „Selbst die beste Heimkinoanlage übertrifft meiner Meinung nach keinen Kinobesuch“, betont er.

Projekt begleitete ihn in Ausbildung und Studium

Nach seinem Abitur am Ludwig-Meyn-Gymnasium begann der Uetersener 2013 bei der Hamburger Filmproduktion C-Films eine Ausbildung zum Kaufmann audiovisuelle Medien. Regisseurin Stünkel arbeitete bereits damals an dem Stoff.  Gronau unterstützte das Projekt als Azubi und Produktionsassistent. Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde er 2016 zum „Junior Producer“ befördert. In dem Team des damaligen Produzenten war Gronau verantwortlich für „Nahschuss“. Zu seinen Aufgaben gehörten die Projektentwicklung und Finanzierung. Er organisierte Termine mit TV-Redaktionen, Ko-Produzenten, Kinoverleihern und Schauspielern. 2017 zog Gronau nach Potsdam um, begann ein Studium an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und arbeitete weiter an „Nahschuss“.

Regisseurinnen wird in der Branche weniger als männlichen Kollegen zugetraut

„Es ist gar nicht so leicht, zwei bis drei Millionen Euro zusammen zu bekommen“, sagt er. Eine Schwierigkeit bestehe darin, dass Regisseurinnen immer noch nicht so viel zugetraut werde wie ihren männlichen Kollegen. Der Film wurde daher erst im November und Dezember 2019 in Potsdam, Berlin, Hamburg und Wedel gedreht. Zu den Schauplätzen gehört das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, Hagenbecks Tierpark und die Elbe.

Thema: Todesstrafe in der Ex-DDR

Regisseurin Franziska Stünkel greift in dem Spielfilm „Nahschuss“ das Thema der Todesstrafe in der Ex- DDR auf. „Ausgangspunkt war ein Zeitungsartikel, in dem ich las, dass es die Todesstrafe in der ehemaligen DDR gab. Davon hatte ich noch nie gehört, und ich nahm an, dass es vielen Menschen ähnlich ging“, sagte die 48-Jährige dem Medienportal „Mediabiz.de“. Es gehe ihr nicht um Schuldzuweisungen. Sie wolle zur Aufarbeitung der Geschichte beitragen.

Stasi-Mitarbeiter will aussteigen

Im Mittelpunkt steht der Ingenieur Franz Walter. Er wird in der Ex-DDR angeworben, als Mitarbeiter der Staatssicherheit bei der Fußballweltmeisterschaft in der Bundesrepublik aktiv zu werden. Doch je mehr Informationen die Stasi haben will, umso unwohler fühlt sich Franz in seiner Haut. Als er aussteigen will, wird ihm der Prozess gemacht, der mit der Todesstrafe endet.

1981: Todesurteil in der DDR

Vorlage der fiktiven Figur ist die historische Person Werner Teske, ein Stasi-Hauptmann, der 1981 wegen angeblicher Spionage und versuchter Fahnenflucht in Leipzig hingerichtet wurde.

Streifen erhielt bereits Preis

In „Nahschuss“ treten namhafte Schauspieler auf: Lars Eidinger („Babylon Berlin“) spielt die Hauptrolle Franz Walter, Devid Striesow (Tatort-Kommissar Jens Stellbrink) den Stasi-Vorgesetzten Dirk.
Der Streifen feierte im Juli Premiere beim Filmfest München und erhielt in diesem Jahr den Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Drehbuch.

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    Elmshorner Stadtmagazin 2021 27