Tornesch: Ab 2026 vier Züge pro Stunde nach Hamburg

Bürgerinitiative Starke Schiene zeigt sich erfreut über Entwurf des Landesweiten Nahverkehrsplans

Kämpfen weiter für ein 3. und 4. Gleis zwischen Elmshorn und Pinneberg: Elvira Quast (von links), Maren Cordts, Gisela Hüllmann, Gerhard Quast und Erhard Wasmann von der Bürgerinitiative Starke Schiene. (Foto: Jan-Hendrik Frank)

Tornesch (jhf) Die Bürgerinitiative Starke Schiene feiert einen Erfolg: Sie rechnet damit, dass ihre Kernforderung nach mehr Zughalten in Tornesch ab 2026 erfüllt wird. „Wir sind richtig begeistert vom Nahverkehrsplan, den Kiel entwickelt hat“, sagt Sprecher Erhard Wasmann.

Doppelstockzüge ab Dezember 2027

Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH) erarbeitete im Auftrag des Landes einen Entwurf für den Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) 2022-2027 und legte diesen im Juni vor. Darin ist zu lesen, dass pro Stunde „insgesamt bis zu vier schnelle Regionalbahn-Verbindungen von Tornesch und Pinneberg nach Hamburg möglich sind“. Zudem sollen ab Dezember 2027 auf der Strecke Doppelstockzüge eingesetzt werden. Bisher fährt in der Regel stündlich ein Zug zum Hauptbahnhof und ein weiterer nach Altona. Teilweise halten pro Stunde auch mehr als zwei Züge Richtung Hamburg, zwischen 7 und 8 Uhr sogar vier Stück.

Bürgerinitiative will Verkehrsminister Scheuer "reinlegen"

Den Bau der S4-West sieht der Plan ab 2030 vor. Wie berichtet, nahm Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die S4 allerdings nicht in den Bundesverkehrswegeplan auf. Doch Wasmann sieht darin eine Chance: „Wenn Staatssekretär Ferlemann weiterhin sagt, dass es nur eine Nahverkehrsmaßnahme ist, legen wir ihn rein.“ Für Projekte im Bundesverkehrswegeplan müsste der Bund einen Zuschuss von 75 Prozent, für Nahverkehrsprojekte aber 90 Prozent zahlen.

Umstellung kostet nichts

Ein Umstand spricht dafür, dass das Land die Zahl der Zughalte in Tornesch ab 2026 tatsächlich verdoppelt: Die Umstellung kostet nichts. Der Entwurf des Landesweiten Nahverkehrsplans (LNVP) Schleswig-Holstein 2022-2027 sieht für dieses Projekt eine Gesamtinvestition von 0 Euro vor. Die Betriebskosten werden mit jährlich sechs Millionen Euro beziffert.

Züge aus Itzehoe und Wrist werden nicht mehr zusammengekoppelt

Erhard Wasmann, Sprecher der Bürgerinitiative Starke Schiene, erläutert den Umstand: Zurzeit würden die Züge von Itzehoe und Wrist in Elmshorn zusammengekoppelt. Ab 2026 sollen sie einzeln weiterfahren, sodass sich in Folge die Anzahl der Zughalte in Tornesch verdoppelt. Wasmann zufolge kann die nordbahn diese kostenlose Umstellung aufgrund von vertraglichen Bindungen nicht sofort vornehmen. Die Verträge mit den Bahnbetreibern liefen bis 2026/2027. Wenn das Land früher aussteigen wollte, müsste es alle Unternehmen, die sich einst an der Ausschreibung beteiligt hatten, um ihr Einverständnis bitten.

Wirtschaftsministerium: Erstmal nur eine Absichtserklärung

Die offiziellen Stellen betonen jedoch die Vorläufigkeit der Pläne für mehr Zughalte in Tornesch: „Es ist geplant, aber noch nicht entschieden“, sagt Nah.SH-Sprecher Dennis Fiedel. Harald Haase, Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Kiel, sagt über den LNVP-Entwurf: „Das ist eine Absichtserklärung.“
Das Kreishaus hat eine Stellungnahme zu dem LNVP erarbeitet, die dem Wirtschaftsausschuss am Dienstag, 14. September, vorgestellt werden soll. Darin fordert die Verwaltung, dass die zusätzlichen Zughalte nicht nur zur Hauptverkehrszeit, sondern ganztägig eingeführt werden. Das Nah.SH-Papier äußere sich dazu nicht eindeutig. Wasmann geht davon aus, dass der Ausschuss die Stellungnahme durchwinkt. „Der Beschluss ist ein Selbstläufer.“

Bürgerinitiative organisiert Unterstützer für 3. und 4. Gleis

Auch nach der Absage von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kämpft die BI weiter für die S4-West. „Wir trommeln für das 3. und 4. Gleis auch nördlich vom Kreis Pinneberg“, sagt Wasmann. Jede Verspätung im Kreis Pinneberg setze sich auf der Marschbahn und der Kieler Linie fort. Die BI führte am Dienstag ein Gepräch mit Stefan Mohrdieck, Landrat des Kreises Dithmarschen, und stieß auf offene Ohren.

Starke Schiene: Beantragt EU-Geld für 3. und 4. Gleis!

Nicht zuletzt hat die BI den grenzübergreifenden Verkehr nach Dänemark im Blick, für den es einen EU-Topf gibt. Die Argumentation: Wenn das 3. und 4. Gleis den grenzübergreifenden Verkehr verbessern könnte, dann sollten die Entscheidungsträger dafür EU-Zuschüsse beantragen.

In der ersten Version dieses Artikels hieß es, dass zurzeit ab Tornesch nur zwei Züge pro Stunde Richtung Hamburg fahren. Teilweise gibt es aber mehr Zughalte. Zwischen 7 und 8 Uhr fahren sogar vier Bahnen Richtung Hamburg ab. Bei einem Pressegespräch hatte die Bürgerinitiative Starke Schiene diese zusätzlichen Zughalte nicht erwähnt. Im Nachhinein entschuldigte sie sich dafür.

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