Sportvereine: Hoffentlich reißt der Aufwind nicht ab

Befürchtung: 2G-Regel beim Hallentraining könnte zu Mitgliederschwund führen

Nicole Karl (links) und Martina Holtorff beim Training im Fitnessstudio des Elmshorner MTV. Es gilt zurzeit die 3G-Regel. Masken müssen nur bis zum Check-In getragen werden. (Foto: Elmshorner MTV)

Kreis Pinneberg (jhf) Mit gemischten Gefühlen gehen die Sportvereine im Kreis Pinneberg auf den Winter zu. Sie haben sich gerade erst von der Corona-Krise erholt: Nachdem die Mitgliederzahl 2020 kreisweit um fast 5800 auf knapp 74.300 Menschen gesunken war, erlebten viele Vereine seit Sommer wieder einen Aufschwung.

Kündigungen und Stagnation befürchtet

Doch angesichts steigender Infektionszahlen will das Land ab 22. November in vielen Bereichen die 2G-Regel einführen. Auch im Indoor-Sport gilt dann Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des Kreissportverbands (KSV) Pinneberg, warnt: „Dann rechne ich damit, dass es bis 31.12. Kündigungen gibt.“ Hartmut Kinastowski, Vorsitzender des Barmstedter MTV, vermutet, dass die Zahlen zumindest stagnieren werden. Einige Mitglieder hätten selbst 3G kaum akzeptiert.

"Eine sinnige Regel"

Astrid Zibull, Vorsitzende des Heidgrabener SV, bleibt gelassen. Der HSV hatte 2020 trotz Corona von rund 1000 Mitgliedern höchstens 50 verloren. Viele seien mittlerweile geimpft. Impfgegner gebe es im Verein nicht. Die Hygienekonzepte würden stets angepasst. „Es ist sinnig, wenn man gute Regeln hat, damit die Ansteckerei nicht weitergeht.“

"Sport ist systemrelevant"

Arne Hirsch, Geschäftsführer des EMTV, hofft, dass der Sport als systemrelevant eingestuft wird. „Sport ist eine Möglichkeit, die Pandemie gut durchzustehen.“

62 ehrenamtliche Trainer weniger

Die Sportvereine im Kreis Pinneberg haben im ersten Corona-Jahr nicht nur Mitglieder, sondern auch ehrenamtliche Trainer verloren. Der Kreissportverband (KSV) Pinneberg  verzeichnet einen Rückgang von 62 Übungsleitern mit Lizenz. „So einen Einbruch gab es noch nie“, sagt KSV-Geschäftsführer Karsten Tiedemann.

Kreissportverband stockt Zuschüsse für Übungsleiter auf

Die Entwicklung lasse sich an den KSV-Zuschüssen ablesen, die den Vereinen für die Personal-, Aus- und Weiterbildungskosten gezahlt und pro Übungsleiter berechnet werden. Zum Stichtag am 1. Juni 2021 meldeten die Vereine 1256 aktive ehrenamtliche Trainer, 62 weniger als 2020. Der KSV beschloss daher, die Förderung für 2021 rückwirkend um 20 Euro pro Lizenz zu erhöhen.

Vereinbar mit dem Arbeitsrecht?

Die 3G-Regel in den Sporthallen und Übungsräumen gilt sowohl für Mitglieder als auch für Trainer, was aus Sicht von Tiedemann aber zu einem Widerspruch mit dem Arbeitsrecht führt: Denn für Arbeitnehmer gilt die 3G-Regel am Arbeitsplatz nicht. Trainer seien aber auch als Arbeitnehmer einzustufen. Es bleibe abzuwarten, was die kommende Corona-Verordnung dazu sagen werde.

Appell: "Bitte die Kinder nicht vergessen!"

Arne Hirsch, Geschäftsführer des Elmshorner MTV, berichtet, dass in seinem Verein mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft oder genesen sind. Er konnte die fest Angestellten halten. Nur einige Ehrenamtliche orientierten sich um. „Eine große Herausforderung für alle Vereine liegt in der Begeisterung für das Ehrenamt. Die EMTV-Abteilungen befinden sich aber nicht in existenziellen Problemen.“ Sein Wunsch an den Gesetzgeber: „Es ist wichtig, dass die Kinder nicht vergessen werden und wir nicht noch weitere Jahrgänge verlieren.“

Barmstedt: eine Art Kurzarbeitergeld für Trainer

Nicht jeder Verein verzeichnet einen Rückgang an Übungsleitern. Der Barmstedter MTV hat seit Beginn der Pandemie sämtliche etwa 100 Trainer gehalten. „Wir haben ihnen so eine Art Kurzarbeitergeld gezahlt“, sagt Vorsitzender Hartmut Kinastowski. Die Zahl der Mitglieder sank auf 1840, stieg aber seit den Sommerferien wieder auf rund 2000 Personen. „Wir gehen wieder auf das alte Niveau zu.“
Im Heidgrabener SV hörten zwei Fußballtrainer auf, allerdings nicht wegen der Corona-Krise, sondern weil ihre Spieler in die Herrenmannschaften wechselten. Vorsitzende Astrid Zibull: „Immer wenn was ging, haben wir was gemacht.“

TuS Esingen: 13 Prozent Mitgliederverlust

Aus Sicht von Torsten Kopper, Vorsitzender des TuS Esingen, gibt es nie genügend Trainer.  „Jedes Jahr hören welche auf und man muss wieder neue finden.“ Gerade im Hand- und im Fußball könnte er immer zusätzliche Ehrenamtliche gebrauchen. Die Mitgliederzahl sank 2020 um 13 Prozent auf 1850 Personen. „Das hängt vor allem damit zusammen, dass in der Corona-Zeit keine neuen eingetreten sind, weil wir nichts angeboten haben.“ Seit September seien wieder neue Sportler dazugekommen.

Kreissportverband kommt Vereinen bei Mitgliederzuschuss entgegen

Der KSV greift den Vereinen nicht nur wegen des Trainer-, sondern auch des Mitgliederschwunds unter die Arme. Bei den Zuschüssen pro Kopf legte er für 2021 die Mitgliederzahlen von 2020 zugrunde.

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