Umweltaufreger war vor über drei Jahren Stadtgespräch

Nachgehakt: Bützfleth und die Müllverbrennung

Januar 2019: Mitwirkende der Bürgerinitiative Bützfleth überreichen dem niedersächsischen Umwelminister Olaf Lies die erfolgreiche Petition gegen die geplante Müllverbrennungsanlage. Foto: BI Bützfleth

Kreise Pinneberg/Steinburg (jz) Mehr als dreieinhalb Jahre ist es her, als Sorge und Bedenken in der Region groß waren: In Bützfleth bei Stade sollte eine gigantische Müllverbrennungsanlage (MVA) entstehen. Jährlich sollten dort rund 200.000 Tonnen Abfall verbrannt werden – auch kontaminierte Industriefilter und Klärschlamm. Weit mehr als die doppelte Menge der MVA Tornesch-Ahrenlohe. Befürchtungen, dass es zu internationalem Mülltourismus kommen würde, machten die Runde. Auch das Vorsehen von nicht ausreichend guten Filteranlagen wurde kritisiert.

Seestermüher Bürgermeister denkt mit Unmut an die Zeit zurück

„Die hätten uns Abfall aus dem Ausland vor die Nase gekippt“, erinnert sich Thorsten Rockel, Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe, an seinen damaligen Protest gegen die geplante MVA. „Gefährliche Giftstoffe wären in die unmittelbare Umwelt gelangt. Der Nord-Ost-Wind hätte belastete Luft direkt auch über die Marsch auf der hiesigen Elbseite hinweggeblasen.“  Vor allem eine Bürgerinitiative (BI) auf der anderen Elbseite setzte sich dafür ein, dass es so weit bislang nicht kam. „Ohne die BI hätten wir überhaupt nichts an Infos bekommen. Alle Hilferufe in Richtung Politik verhallten im leeren Raum. Kreis und Land haben uns alleine gelassen“, regt sich der Gemeindevorsteher noch heute auf.


Unsere Redaktion hat nachgehakt und gefragt: Hat die Aktion der Bürgerinitiative etwas bewirkt? Ist der Bau der Anlage vom Tisch?

Die Antwort: Gegen das Urteil pro BI ging das zuständige Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg nicht in Revision. Die Betreibergesellschaft der geplanten MVA, EBS Stade Besitz GmbH, hätte einen neuen Antrag stellen können. „Dann hätte jedoch das ganze Prozedere inklusive Öffentlichkeitsbeteiligung erneut durchlaufen werden müssen, Umweltauflagen sind inzwischen strenger geworden“, sagt Rolf Köser, Mitglied der BI und damaliger Kläger. Er geht davon aus, dass die MVA nicht mehr kommt.
„Wenn die MVA wirklich verhindert wurde, sage ich der BI meinen herzlichen Dank“, so Rockel. „Ohne sie wäre es sicher nicht so gut gelaufen.“

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    Elmshorner Stadtmagazin 2021 27