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Bürgervorsteher vor dem Aus: Termin der Sondersitzung steht

Uetersener Ratsversammlung trifft sich am 26. Januar

Bürgervorsteher Baris Karabacak steht in der Kritik. (Archiv: Frank)

Uetersen (jhf) Bürgervorsteher Baris Karabacak (CDU) muss mit seiner baldigen Abberufung rechnen. Die Ratsversammlung wird am Montag, 26. Januar, zu einer Sondersitzung ab 19 Uhr im Ratssaal zusammenkommen. Unter Tagesordnungspunkt 5 beantragen die Fraktionen SPD, Grüne, Bürger für Bürger (BfB) Uetersen und FDP, Karabacak abzuberufen. Als Begründung führen sie an, dass der Bürgervorsteher eigentlich vertrauensvoll mit der Ratsversammlung zusammenarbeiten soll. Er sei seine Aufgabe, sowohl eine Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürgern sowie zur Ratsversammlung darzustellen. “Nach etwa der Hälfte der Amtszeit und mehreren Gesprächen mit dem Amtsinhaber stellen die antragstellenden Ratsfraktionen übereinstimmend fest, dass das dafür erforderliche Vertrauen in den amtierenden Bürgervorsteher nicht gegeben ist. Die Tatsache, dass die Antragsteller:innen zuletzt pauschal als rassistisch motiviert diffamiert worden sind zeigt, dass dieser Vertrauensabbruch offenkundig wechselseitig besteht.” Eine gedeihliche Zusammenarbeit im Sinne der Interessen der Stadt sei vor diesem Hintergrund nicht mehr möglich. Unterschrieben wurde der Antrag von den Fraktionsvorsitzenden Anne-Christin Speichert (SPD), Oliver Lorentzen (Grüne), Klaus Seidler (BfB) und Rudolf Engels (FDP). Die CDU-Fraktion unterstützt die Abberufung demnach nicht.

Nach Informationen der Holsteiner Allgemeine hatten 18 der 34 Ratsmitglieder den Antrag unterschrieben, erforderlich gewesen wären zwölf Befürworter oder ein Drittel der Ratsversammlung. Zur Abberufung käme es, wenn zwei Drittel der gewählten Ratsmitglieder, also mindestens 23 von 34 Personen, dafür stimmten. Die Wahl eines neuen Bürgervorstehers oder einer neuen Bürgervorsteherin steht nicht auf der Tagesordnung. Sollte Karaback den Posten verlieren, müssten daher zunächst seine Stellvertreter Erhard Vogt (SPD) oder Oliver Lorentzen (Grüne) das Amt führen.

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Weite Teile der Politik kritisieren Karabacaks Amtsführung. In einer Pressemitteilung vom 17. Dezember 2025 bemängelten die Vorsitzenden aller fünf Uetersener Ratsfraktionen (CDU, SPD, Grüne, Bürger für Bürger Uetersen und FDP) „eine Kette eigenmächtiger Entscheidungen, Auftritte und nicht vorhandener Rückmeldungen und Absprachen sowie der kontinuierlichen Vermischung der Aufgaben im höchstem Ehrenamt der Stadt mit privaten ökonomischen Interessen – und das anhaltend auch noch nach bereits vor Monaten gemeinsam geführter Gespräche.“ Diese Eigenmächtigkeit habe sich zuletzt bei der Vorbereitung des Planspiels Politik am Ludwig-Meyn-Gymnasium (LMG) gezeigt. Die Fraktionsvorsitzenden warfen Karabacak vor, dass er sich „in Gänze über bereits vorhandene Absprachen und den Willen der Selbstverwaltung hinweggesetzt“ habe, indem er die Organisation des Planspiels eigenmächtig angestoßen habe. Am 15. Dezember 2025 hatten Vertreter aller fünf Fraktionen Karabacak deshalb schriftlich gerügt.

Öffentliche Wahrnehmung und interne Eindrücke aus der Politik klaffen auseinander

Viele Politiker erleben Karabacak offenbar ganz anders als die Bürgerinnen und Bürger. Bei öffentlichen Anlässen wie dem Rosen- und Weinfest präsentierte sich der Bürgervorsteher stets als volksnaher Mensch. Nach seiner Wahl zum Bürgervorsteher am 12. Juni 2023 besuchte er etliche Jubilare und gratulierte ihnen im Namen der Stadt. Im Gildejahr 2023/2024 war er Schützenkönig der Uetersener Schützengilde. Doch wie die Holsteiner Allgemeine erfuhr, soll er die Ratsversammlung kaum über seine Aktivitäten informiert habe. Politiker kritisierten zudem, dass Karabacak in den sozialen Medien sein Amt und seine privaten wirtschaftlichen Projekte vermische, indem er sich zum Beispiel als neuer Besitzer Uetersener Restaurants präsentierte.

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Karabacak: “Völlig überrascht”

Obwohl die Fraktionsvorsitzenden in der Angelegenheit bereits vor Monaten Gespräche mit Karabacak geführt haben wollen, zeigte er sich angesichts der jüngst öffentlich gewordenen Kritik überrumpelt. “Ich bin völlig überrascht worden von diesen haltlosen Vorwürfen", schrieb Karabacak in einer Pressemitteilung vom 7. Januar 2026. Er bat um Aufschub der Sondersitzung, die er formal selbst einberufen musste. Der Bürgervorsteher drohte damit, einen Beschluss zu seiner Abberufung anfechten und den Fall von der Kommunalaufsicht, der Landrätin Elfi Heesch und dem Innenministerium prüfen lassen zu wollen. Nicht zuletzt warf er seinen Kritikern “Rassismus” aufgrund seiner türkischen Abstammung vor. Im Dezember hatte er bereits vermutet, dass Teile der Politik seine Kandidatur für die Uetersener Bürgermeisterwahl verhindern wollten. Die Verwaltung schlug als Termin der Bürgermeisterwahl Sonntag, 27. September 2026, vor. Amtsinhaber Dirk Woschei (SPD) äußerte sich noch nicht dazu, ob er wieder kandidieren will. Der Gemeindewahlausschuss tagt am Mittwoch, 14. Januar 2026, um den Termin festzulegen.

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