Elmshorn (jhf) Sensationsfund auf der Nikolaikirche: Eine vergoldete Kugel auf einem der Nebentürme enthielt eine Zeitkapsel. Handwerker des 300 Jahre alten Hamburger Traditionsbetriebs D.H.W. Schultz hatten sie Ende Juni abmontiert, um sie aufzuarbeiten. Am Mittwoch, 8. Juli 2026, öffnete die Mitarbeiterin Cynthia Schimenowski die Kugel in einer Werkstatt des Unternehmens in der Hansestadt und entdeckte eine Zeitkapsel.
Zeitkapsel enthielt Zeitung von 1960, Münzen, Geldscheine und einen Brief
Diese enthielt eine Bild-Zeitung vom 5. August 1960, einen Ausschnitt aus den Elmshorner Nachrichten mit einem Bericht über die damalige Turmsanierung, einen handschriftlichen Brief, der an den Bauarbeiten beteiligte Firmen aufführt, Reichsmarkmünzen von 1906 und 1914 und zwei mit Unterschriften versehene Geldscheine, einmal über 1000 Reichsmark und einmal über 100 Reichsmark. Die Währung war allerdings seit 1948 nicht mehr gültig.
Vergoldete Kugeln 1960 montiert
Pastorin Antje Eddelbüttel fand heraus, dass 1960 die Kupfereindeckung des Turmhelms erneuert wurde. Dabei wurden die vier Ecktürme verkleinert. Auf deren Spitzen saßen bis dahin kreuzförmige Verzierungen, die für die neue Konstruktion aber zu schwer waren und daher durch leichtere Kugeln ersetzt wurden.
“Herzerwärmender Blick in die Vergangenheit”
Isabel Matthiessen, Geschäftsführerin von D.H.W Schultz, berichtet, dass es zum Brauchtum gehöre, in eine Turmkugel eine Zeitkapsel hineinzulegen. „Alles ist gut erhalten geblieben. Es ist herzerwärmend, 66 Jahre in die Vergangenheit zu blicken.“ Dagegen hatte sich 2022 bei der Öffnung einer Zeitkapsel der St.-Thomas-Kirche in Hamburg gezeigt, dass Wasser eingetreten war.
Pastorin Antje Eddelbüttel will Zeitkapsel um neues Dokument ergänzen
Die Evangelisch-Lutherische Nikolai-Kirchengemeinde saniert den Turm seit März. Eddelbüttel berichtete, dass sich daher die Gelegenheit bot, die Kugeln abnehmen und und das aufgetragene Blattgold erneuern zu lassen. Anschließend will die Pastorin den Inhalt der Zeitkapsel um ein Dokument zur Turmgeschichte ergänzen. „Vielleicht freuen sich die Menschen in 100 Jahren, wenn sie etwas finden.“
Turmsanierung ist vollständig finanziert
Der 1881 erbaute Turm war marode, die Aufarbeitung dringend erforderlich. Bei einem Sturm im Oktober 2023 war ein Ziegelstein herabgefallen. Daraufhin hatte die Kirche ein Areal unter dem Turm absperren lassen. Ein Jahr später bauten Handwerker vorsorglich verrutschte Ziegelflächen ab. Die Kirchengemeinde investiert rund eine Million Euro in die Sanierung. Den mit 490.000 Euro größten Anteil übernimmt der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes fließen knapp 285.000 Euro. Stiftungen und Privatleute tragen mehr als 200.000 Euro. Unter anderem gab ein Bürger aus der Marktstraße 125.000 Euro. Eddelbüttel zeigt sich erfreut. Das Projekt sei vollständig finanziert – zumindest zurzeit. „Es kann sich immer mal was ändern“, so die Pastorin. Wer weiß, welche Überraschungen der Kirchturm noch zu bieten hat...