Kirche der Zukunft

„Ein Pastor alleine macht keine Veränderung“

 

In der Bugenhagenkirche in Klein Nordende findet lebendiger Austausch in der Gemeinschaft statt. Hier im Bild: Pastoren Lars Därmann (v.l.) und Moritz Keppel sowie Mareike Schaller und Cinja Jensen, Teamerinnen für die Jugend- und Konfiarbeit. Foto:Zeuch

Klein Nordende (jz) „Viel besser als der Gottesdienst ist fast das Essen hinterher“, sagt Mareike Schaller. Die 20-Jährige engagiert sich in der Jugendarbeit der Bugenhagenkirche in Klein Nordende. Nach ihrem Konfirmanden-Unterricht konnte sie hier eine Teamer-Ausbildung machen. Auch bei der „Kirche um 11“ ist sie immer dabei – einem Gottesdienst, der viermal im Jahr jeweils an einem Sonntag um 11 Uhr stattfindet. Er zieht vor allem Familien und junge Leute an. Es wird viel gesungen – auch neuere, moderne Lieder –, eine Band sorgt für Stimmung und es dürfen sich alle  beteiligen. Hier wird miteinander kommuniziert und nicht nur der predigende Pastor steht im Mittelpunkt, sondern die Gemeinde. Im Anschluss findet immer ein gemeinsames Mittagessen statt, das sehr beliebt ist und zu dem jeder etwas mitbringen darf. „Wir sollten nicht nur tun, was wir immer gemacht haben“, sagt Lars Därmann, Pastor der Bugenhagenkirche. „Wir hören darauf, was die Leute wollen, nehmen Anregungen auf, haben junge Leute gefragt, wie unsere Konfis“, erzählt er.

Beziehungsarbeit ist entscheidend, Ehrenamtliche unverzichtbar

Es gehe dabei nicht nur um Inhalte, sondern viel mehr um die Form, wie Kirchenarbeit heute und zukünftig gestaltet werden kann und gut bei den Menschen ankommt. „Bei uns gibt es eine Kultur der offenen Tür. Kirche muss immer ein offener Raum sein, hier darf ich der Mensch sein, der ich bin, kann ausprobieren und experimentieren.“ Wenn zum Beispiel ein junger Teamer – wie Mareike Schaller oder Cinja Jensen – auf einer Konfirmandenfahrt von Gott und Glauben erzählt, dann „ist das theologisch nicht so rund, so what... Aber Gleichaltrige bewegen anders“, so Därmann. „Wir als Hauptamtliche können das begleiten.“ Für eine offene Kirche bräuchte es neben einem aufgeschlossenen Gemeinderat auch junge Ehrenamtliche. „Ein Pastor alleine macht keine Veränderung“, betont Därmann. Moritz Keppel, der hier in Klein Nordende als Vikar seine Ausbildung gemacht hat, sagt: „Ich habe hier unheimlich viel gelernt.“ Auch für ihn geht es hauptsächlich um Beziehungsarbeit, denn „ein wesentlicher Punkt ist, dass man sich kennt im Ort, sich vernetzt und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.

Instagram-Andacht und moderne Kirchen-Webseite

Damit die Menschen wissen, wo sie mich finden können.“ Im Corona-Lockdown sind sie zeitweise auf reine Online-Gottesdienste umgestiegen: „Das war ein Lernfeld. 60 Minuten Gottesdienst schaut sich keiner auf Youtube an.“ Er und sein Kollege haben sich umgehört. Dabei heraus kam: Musik ist wichtig, Gespräche und kurze Predigt mit biblischem Bezug für insgesamt maximal 20 Minuten. Bis heute gibt es auch noch die Instagram-Andacht des Monats für zehn Minuten. Auch mit Hilfe von Jugendlichen haben sie die Online-Formate entwickelt und umgesetzt. Keppel findet: „Eine Kirchen-Webseite muss Lebensbegleitung sein und optisch ansprechend gestaltet.“  
Därmann fügt dem hinzu: „Unser Ziel ist es Angebote zu machen, die Menschen zu beteiligen, dann können sie eine Heimat bei uns finden.“

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