Elmshorn (rs) Interne Streitereien, unwirksame Kündigung von zwei Lehrkräften, die Flucht von Lehrern und 300 Schülern, Gerüchte um verschwundene Gelder – der Ruf der Musikschule Elmshorn ist schwer geschädigt. Dazu kommt das vorläufige Insolvenz-
verfahren des Trägervereins.
Montagabend befasste sich der städtische Kulturausschuss mit der Lage. Im öffentlichen Teil standen dabei die Fragen im Raum: Gibt es eine Zukunft für die Einrichtung und wie könnte diese aussehen? Dazu war auch der vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Dr. Klaus Pannen geladen. In etlichen Punkten sorgte er für Aufklärung: Dass angeblich 110.000 Euro verschwunden seien, sei falsch. Das Geld sei da, er habe es sichergestellt. Der Vorstand habe den Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt, nicht weil der Verein insolvent sei. Trotzdem sei die finanzielle Lage so schlecht, dass „er die Musikschule mit Eröffnung des offiziellen Insolvenzverfahrens“, das am 1. Mai nahe, tags darauf „schließen werde“, sollte es keine andere Lösung geben.
Bis Ende April seien die Gehälter gesichert, danach nicht mehr. Die Kassenprüfer wohl seien überfordert gewesen, konstatierte Pannen. Ob die Position des Kassenwarts besetzt war – unklar. Letztlich fällt dies auch auf den Vorsitzenden Thorsten Mann-Raudies zurück, der den Raum wegen Befangenheit während der öffentlichen Beratung verlassen musste. Im Mittelpunkt stand aber die Frage: Wie kann es weitergehen? Denn dass es eine Zukunft geben soll, dafür warb gleich zu Beginn Bürgervorsteher und CDU-Stadtverordneter Andreas Hahn. Er schilderte, wie der frühe Musikunterricht ihn selbst und sein Leben bis heute geprägt habe. Entscheidend sei, Vertrauen zurückzugewinnen, dies gelinge nur mit einem Neuanfang, auch personell. „Wir habe das gleiche Ziel“, stimmte Uwe Köpcke (SPD) zu.
Und Pannen lieferte, indem er einen Rettungsplan vorstellte. Eine Vereinsstruktur sei angesichts des Umfangs des Geschäftsbetriebs nicht mehr zeitgemäß. Er empfahl eine gemeinnützige GmbH. Auch der bisherige Standort am Ende der Gärtnerstraße und dem Umfeld mit dem Winternotquartier sei ungeeignet für Kinder. Die Leibniz Privatschule (LPS), von der viele Kinder und Jugendliche durch die Musikschule unterrichtet würden, sei bereit, die Organisation zu übernehmen. Das Wohnungsunternehmen Theo Semmelhaack habe angeboten, 750 Quadratmeter am ehemaligen Autoliv-Standort für die Musikschule herzurichten. Direkt benachbart will die LPS mit ihren älteren Jahrgängen einziehen. Den Kontakt hatte Apotheker Jan-Henning Staggenborg hergestellt, der in der Musikschule, ebenso wie seine Kinder, Unterricht erhält. Ihm liegt der Fortbestand der Einrichtung am Herzen. Staggenborg engagiert sich ehrenamtlich bereits in der Bürgerstiftung Elmshorn und für den Förderverein Stadtarchiv. Er würde auch die gGmbH mit wirtschaftlichem Rat unterstützen.
Das Echo auf den Vorschlag war zunächst verhalten. „Ich finde es sehr unglücklich, dass die Musikschule aus der Innenstadt verschwinden soll“, erklärte Ausschuss-Chefin Karin Kunkel (Die Linke). Auch mit der LPS habe sie Bauchschmerzen. Vorbehalte gab es auch in Teilen der SPD. Die Musikschule müsse für alle offen bleiben. „Wenn ich Alternativen hätte, würde ich Ihnen diese vorstellen“, sagte Pannen. Doch niemand, den er angesprochen habe, habe Interesse am Führen einer Musikschule. Die LPS wiederum habe das Know-how, das Interesse, die Lust und die organisatorischen Fähigkeiten dafür.
1. Stadtrat Dirk Moritz brachte den Durchbruch, als er erklärte, als Zuschussgeber mit 100.000 Euro im Jahr könne die Stadt Auflagen beschließen, damit die Kinder aller Schulen gleich behandelt würden. Genau das dürfte jetzt geschehen.
Rettungsplan für die Musikschule
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