Elmshorn (jhf) „Ich helfe gern – Ihre starke Hand!“, ist auf der roten Jacke eines Mitarbeiters der Deutschen Bahn zu lesen. Er steht im Elmshorner Bahnhof auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 2 und 3 an der Treppe, sein Kollege bietet Hilfe in der Unterführung an. Sie sprechen Menschen mit Lasten an, tragen auf Wunsch schwere Koffer und Kinderwagen die Treppe hoch oder herunter. Auch beim Transport von E-Bikes packen sie mit an. Einen Rollstuhl mit Person mussten sie in den ersten Tagen noch nicht schleppen.
Zehn Wochen ohne Hilfe vor Ort
Auf diese Hilfe warteten Reisende lange. Am 9. Februar setzte die Deutsche Bahn den einzigen Aufzug im Bahnhof außer Betrieb, um ihn auszutauschen. Die Gleise 2 und 3 sind seither nicht mehr barrierefrei zu erreichen – voraussichtlich für mehr als sechs Monate, denn die Bauarbeiten sollen bis Ende August dauern. Der Frust bei Bürgerinnen und Bürgern war groß. Es regte sich Protest aus Politik und Verwaltung. Nachdem das Unternehmen Reisenden mit eingeschränkter Mobilität zunächst kostenlose Taxifahrten zu den Nachbarbahnhöfen angeboten hatte, hat es knapp zehn Wochen später Hilfe auch im Bahnhof geschaffen: „Seit Freitag setzen wir hier zwei zusätzliche DB-Mitarbeitende als Reisendenhelfer ein“, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit. Die Männer sind täglich von 8 bis 18 Uhr im Einsatz, auch am Wochenende und an Feiertagen. „Im Verlaufe des Mai bewerten wir den Bedarf und passen gegebenenfalls die weitere Einsatzstärke/-zeiten an“, so die Sprecherin. Die Frage, was die Kräfte kosten, beantwortete sie nicht. Nach Informationen unserer Zeitung wurden die Mitarbeiter teils aus anderen Städten angefordert und übernachten im Hotel.
Protestbrief aus dem Rathaus
Offenbar reagierte das Unternehmen mit dem neuen Angebot auf zunehmenden öffentlichen Druck. Oberbürgermeister Erik Sachse und Baustadtrat Marius Munk hatten sich in einem Brief vom 1. April bei Ute Plambeck, der Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, über die Situation beschwert. Diese sei „nicht akzeptabel“. Den Vorschlag der Bahn, dass Reisende Umwege über andere Bahnhöfe nehmen sollen, um das ebenerdig zugängliche Gleis 1 in Elmshorn zu erreichen, kritisierten sie als „unzumutbare Einschränkung“ der Bewegungsfreiheit vieler betroffener Menschen. Vor allem bemängelte die Verwaltungsspitze, dass die Bahn ihr Versprechen, Kräfte vor Ort einzusetzen, nicht eingehalten hatte. „Hilfesuchende berichten, dass keine Ansprechpersonen auffindbar seien oder Unterstützung schlicht nicht zur Verfügung stehe“, hieß es in dem Brief. Endlich hat die Bahn nachgesteuert.