Uetersen (jhf) Es wird ernst für den Uetersener Bürgervorsteher Baris Karabacak (CDU): Eine Mehrheit der Ratsversammlung will den 38-Jährigen offenbar abwählen. Am Dienstagnachmittag, 6. Januar, ging im Rathaus ein Antrag auf Einberufung einer Sondersitzung der Ratsversammlung ein, unterzeichnet von 18 der 34 Ratsmitglieder. Das teilte Anna Winterberg, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, auf Anfrage der Holsteiner Allgemeine mit. „Der Beratungsgegenstand lautet antragsgemäß ,Abberufung des Bürgervorstehers Baris Karabacak‘.“
Kritik: Vermischung von Amt und privaten ökonomischen Interessen
Wie berichtet, steht Karabacak seit längerer Zeit in der Kritik. Die Vorsitzenden aller fünf Ratsfraktionen (CDU, SPD, Grüne, Bürger für Bürger Uetersen und FDP) bemängelten in einer Pressemitteilung vom 17. Dezember „eine Kette eigenmächtiger Entscheidungen, Auftritte und nicht vorhandener Rückmeldungen und Absprachen sowie der kontinuierlichen Vermischung der Aufgaben im höchstem Ehrenamt der Stadt mit privaten ökonomischen Interessen – und das anhaltend auch noch nach bereits vor Monaten gemeinsam geführter Gespräche.“ Die Situation spitzte sich zu. Nach Informationen unserer Zeitung erhielt Karabacak vor Weihnachten einen Brief, in dem alle Fraktionen außer der CDU ihn zum Rücktritt aufforderten. Wenn er eingelenkt hätte, hätte er sein Gesicht wahren können, hieß es. Stattdessen habe Karabacak um ein ergebnisoffenes Gespräch gebeten, das ihm aufgrund der schlechten Erfahrungen aber verwehrt wurde.
Abberufung: Stimmen von zwei Dritteln der gewählten Ratsmitglieder nötig
Zur Abberufung käme es nach Auskunft der Stadtverwaltung, wenn mindestens zwei Drittel der gewählten Ratsmitglieder dafür die Hand heben, also mindestens 23. Die Abstimmung könnte knapp ausfallen. Die 18 Unterzeichner des Antrags zur Einberufung der Sondersitzung kommen nach Informationen unserer Zeitung aus den Fraktionen SPD (acht Ratsmitglieder), Grüne (vier), BfB (vier) und FDP (zwei). Jeweils ein Ratsmitglied der BfB, FDP und Grünen war im Urlaub.
Kritiker brauchen Unterstützung von zwei CDU-Abweichlern
Das Lager gegen Karabacak könnte somit auf 21 Stimmen kommen und bräuchte daher noch zwei Abweichler aus den Reihen der CDU, um die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zu erreichen. CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Köpcke hatte gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass er die Kritik an Karabacak zwar nicht stellvertretend für die gesamte CDU als Fraktionsvorsitzender, aber als Ratsherr mittrage. Der Ball liegt nun bei Karabacak. Er muss die Sondersitzung einberufen – und zwar laut Verwaltung „unverzüglich“ mit einer Ladungsfrist von einer Woche. Die Antragsteller hatten als Termin Montag, 26. Januar, vorgeschlagen. Spannend könnte der Neujahrsempfang am Sonntag, 11. Januar, in der Mensa „Kant-Uene“, Bleekerstraße 2 werden. Auf dem Programm steht eine Ansprache von Baris Karabacak ab 11 Uhr.