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Verliert Tornesch die Regionalbahn?

Land will in S-Bahn bis Elmshorn investieren

Noch halten die Regionalbahnen in Tornesch, aber wie lange noch? (Foto: Frank)

Kreis Pinneberg (jhf) Frust bei der Bürgerinitiative Starke Schiene: Sie erfuhr am Dienstag, 13. Oktober, dass das Land auf den geplanten Gleisen 3 und 4 zwischen Pinneberg und Elmshorn S-Bahnen fahren lassen will. „Der Nutzen der S-Bahn ist bis zu achtmal höher als bei der Regionalbahn“, sagte Susanne Henckel, Staatssekretärin für Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, bei einem Bahngipfel mit rund 60 geladenen Gästen aus der Kommunal- und Landespolitik sowie der Initiative im Esinger Heimathaus. BI-Gründerin Gisela Hüllmann zeigte sich enttäuscht: „Die Region sagt: Wir wollen keine S-Bahn, weil es zu lange dauert. Für uns ist es nicht prickelnd.“ Mit der Regionalbahn würden Fahrgäste in 20 Minuten von Tornesch nach Hamburg gelangen. BI-Sprecher Erhard Wasmann befürchtet, dass es mit der S-Bahn 45 Minuten und länger dauern wird.

Zweifel am Versprechen des Landes

Die große Frage: Wird Tornesch mit der S-Bahn-Variante den Anschluss an die schnellen Regionalzüge nach Hamburg verlieren? Henckel versprach zwar, dass die Regionalbahnen und -expresse erhalten bleiben sollen. Die S-Bahn werde zusätzlich im 10-Minuten-Takt fahren – mit Halten in Elmshorn, Tornesch, Prisdorf, Eidelstedt, Altona (alt), Reeperbahn, Landungsbrücken, Jungfernstieg und Hauptbahnhof. Doch Daniel Kölbl, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschusses des Bundes, meldet Zweifel an: „Niemand kann seriös versprechen, dass mit der S-Bahn keine Regionalbahnhalte oder Regionalbahnverbindungen wegfallen. Denn keiner weiß, wer bei Inbetriebnahme der neuen Gleise politische Verantwortung trägt und wie hoch dann der Einspardruck im Haushalt ist.“

Prisdorf wird RB-Halt verlieren. Tornesch auch?

Der RE-Halt in Pinneberg sei bereits weggefallen. Das S-Bahnkonzept sehe vor, auch den RB-Halt in Prisdorf zu streichen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies befürchtet, dass darüber hinaus auch Tornesch künftig nur noch von der S-Bahn bedient wird. Sie wies auf die massive Verschlechterung hin, die sich daraus für die Region ergäbe. „Die Menschen in Tornesch brauchen eine klare Antwort darauf, welche Züge künftig tatsächlich halten und wie lange sie nach Hamburg brauchen. Diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor eine Entscheidung als wirtschaftlich und zukunftsfähig verkauft wird“, forderte Raudies. Kölbl warnte: „Seitens des Bundes wird es nicht mehrere hundert Millionen Euro an Fördermitteln für ein Projekt geben, das in der Region auf so deutliche Ablehnung stößt."

Kernproblem: Im Hauptbahnhof fehlt der Platz für mehr Regionalzüge

Ein Grund für die S-Bahn-Variante liegt aus Sicht des Verkehrsministeriums im Hamburger Hauptbahnhof: Dort fehlt es an Platz für weitere Regionalbahn-Halte. Susanne Henckel, Staatssekretärin für Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, erläuterte, dass ohne Lösungen für dieses Problem die Regionalbahnen auch künftig unzuverlässig und unpünktlich fahren würden. Doch der Bau eines Verbindungsbahn-Entlastungtunnels liegt auf Eis. Ein Schwenk von der S- auf die Regional-Bahn-Variante ist nur langfristig denkbar.

Radon: „Die Tornescher Pendler möchten schnell und zuverlässig nach Hamburg"

Der Tornescher Bürgermeister  Christopher Radon übte Kritik an den Plänen. Das Argument, dass eine S-Bahn mehr Zuverlässigkeit als die Regional-Bahn biete, überzeuge ihn nicht. Von der Investition in die Infrastruktur könnte genauso gut die Regionalbahn profitieren. „Die Tornescher Pendler möchten schnell und zuverlässig nach Hamburg. Die S-Bahn verlängert die Fahrzeiten ungemein.“ Doch nach Erkenntnissen des Landes ist der Nutzen der S-Bahn unter den gegebenen Bedingungen achtmal höher als der der Regionalbahn. „Die S-Bahn wird auf jeden Fall auch zwei neue Stationen, Elmshorn-Süd und Pinneberg-Nord, bedienen und damit viele Fahrgäste näher an die Bahn bringen“, sagte Henckel. Mit einer S-Bahn lasse sich die Sitzplatzkapazität in der Hauptverkehrszeit um 60 Prozent steigern, mit der Regionalbahn nur um 18 Prozent. BI-Sprecher Wasmann glaubt aber nicht, dass die überwiegende Zahl der Fahrgäste die S-Bahn bevorzugt. Eine BI-Umfrage habe gezeigt, dass 90 Prozent der Pendler mit der Regionalbahn zum Hauptbahnhof fahren wollen.

Land erwartet Kosten von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro

Die Firma Intraplan verglich das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Varianten. Entscheidend ist der Wert von 1,0, ab dem sich ein Modell rechnet. Bei der Regional-Bahn werde dieser Wert und damit der überzeugende Nutzen nur erreicht, wenn die Kosten höchstens 122 Millionen Euro betrügen. Das Land erwartet aber Ausgaben von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro. Nur bei der S-Bahn-Variante überwöge der Nutzen diese Kosten – eine Voraussetzung dafür, dass der Bund Geld gibt. Die Vorplanung soll beginnen. Henckel will die Ergebnisse in Mitte 2027 vorstellen. Gebaut werden könnten die Gleise ab Mitte der 2030er-Jahre.

 

 

 

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