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Baris Karabacak will Bürgermeister von Uetersen werden

Nach dem Rücktritt als Bürgervorsteher: CDU-Vorstand schlägt 38-Jährigen vor

Baris Karabacak (CDU) jubelt bei der Wahlparty nach dem ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl 2020. Er erhielt die zweitmeisten Stimmen und trat anschließend in der Stichwahl gegen Dirk Woschei (SPD) an, der schließlich Bürgermeister wurde. (Archiv: Frank)

Der Vorstand der Uetersener CDU steht hinter Baris Karabacak (Mitte). (Foto: CDU)

Uetersen (jhf) Die Ereignisse in der Uetersener Politik überschlagen sich: Nur einen Tag nach dem Rücktritt des umstrittenen Bürgervorstehers Baris Karabacak am Montag, 19. Januar 2026, hat der CDU-Vorstand ihn als Bürgermeisterkandidaten vorgeschlagen. Die CDU-Mitglieder sollen ihn bei einer Vollversammlung im Februar nominieren. “Da der aktuelle Vorstand weiterhin volles Vertrauen in Baris Karabacak setzt, werden wir ihn den Mitgliedern als unsere klare Empfehlung als Bürgermeisterkandidaten vorschlagen”, erklärt der CDU-Vorstand am 20. Januar 2026 in einer Pressemitteilung.

CDU will an gutes Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl 2020 anknüpfen

SPD, Grüne, Bürger für Bürger (BfB) Uetersen und FDP kritisierten Karabacaks Amtsführung als Bürgervorsteher und wollten ihn abberufen. Er trat daraufhin zurück. Doch der CDU-Vorstand will Karabacak als Bürgermeisterkandidaten vorschlagen, da er bereits bei der jüngsten Bürgermeisterwahl 2020 einen großen Rückhalt und viel Vertrauen in der Bevölkerung genossen habe. “An diesen starken Rückhalt wollen wir anknüpfen und sind überzeugt, dieses Mal ein erfolgreiches Ergebnis für Uetersen zu erzielen.” Karabacak gelangte damals im ersten Wahlgang mit 27,07 Prozent auf den zweiten Platz hinter Dirk Woschei (SPD), der 29,7 Prozent erreichte. In der Stichwahl setzte sich Woschei mit 62,77 Prozent der Stimmen gegen Karabacak (37,23 Prozent) durch.

Fraktion zeigt Respekt für den Rücktritt

Zugleich betont die CDU, dass sie Karabacaks Rücktritt als Bürgervorsteher begrüßt und respektiert. “Mit diesem Schritt beweist Herr Karabacak große persönliche Stärke und Entschlossenheit: Er stellt das Wohl der Stadt über sein eigenes Amt, um die vielfältigen Emotionen zu beruhigen.” Die CDU hoffe, dass nun Ruhe in die städtischen Gremien einziehe.

Karabacak ist bereit

Karabacak steht in den Startlöchern für den Bürgermeisterwahlkampf. Er sei “auf jeden Fall” bereit zu kandidieren, erklärt er auf Nachfrage der Holsteiner Allgemeine. Der 38-Jährige erinnert an seinen Wahlslogan von 2020: “Ich bin gekommen, um zu bleiben." Bereits nach der verlorenen Stichwahl habe er erklärt, dass er bei der nächsten Bürgermeisterwahl erneut antreten werde. “Dieses Versprechen halte ich auch. Es ist stark, dass der Vorstand mich vorgeschlagen hat und zu mir steht.” Nach seinem Rücktritt als Bürgervorsteher habe er in den sozialen Medien viele positive Reaktionen erhalten.

Karabacak: CDU-Fraktionsvorsitzender ist eher kein Unterstützer

Allerdings räumt Karabacak ein, dass zwar der CDU-Vorstand, aber nicht der gesamte Ortsverband hinter ihm steht. So hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Köpcke im Dezember sowohl eine schriftliche Rüge an den damaligen Bürgervorsteher als auch eine Pressemitteilung unterschrieben, mit der die Fraktionsvorsitzenden ihre Kritik an Karabacak wiederholten. “Herr Köpcke war von Anfang an kein Unterstützer und ist es wohl auch jetzt nicht. Er vertritt keine CDU-Meinung, sondern seine ganz eigene Meinung”, stellt Karabacak fest. Allerdings sitze Köpcke nicht im Vorstand. Die Partei müsse sehen, wie sie mit ihm umgehen werde.

Karabacak wirft Kritikern Schmutzkampagne vor

Die Kritik der Fraktionen SPD, Grüne, Bürger für Bürger (BfB) Uetersen und FDP an seiner Amtsführung bezeichnet Karabacak als Schmutzkampagne. “Ich finde es schade, dass in kleinen Orten so Spielereien gemacht werden. Solche Aktionen verschrecken junge Menschen, die sich engagieren wollen. Junge Menschen fehlen uns in der Politik.”

Kommentar: Vom Regen in die Traufe

Mit Baris Karabacak als Bürgermeister käme die Uetersener Politik vom Regen in die Traufe. Vier von fünf Fraktionen in der Ratsversammlung und drei ehemalige CDU-Ratsmitglieder wollten nicht mehr ihm als Bürgervorsteher zusammenarbeiten. Das sind 24 von 34 Mandatsträgern oder mehr als 70 Prozent der Stimmen.

 

Warum sollte die Zusammenarbeit besser werden, wenn er Bürgermeister wird? Auf diesem Posten müsste er die Entscheidungen der Politik umsetzen, also intensiv mit ihr zusammenarbeiten. SPD, Grüne, Bürger für Bürger Uetersen, FDP und der damalige CDU-Fraktions-Chef Holger Köpcke führten erhebliche Kritik gegen Karabacak an: Eigenmächtigkeit und die Vermischung der Aufgaben als Bürgervorsteher mit privaten wirtschaftlichen Interessen. Sein Rassismus-Vorwurf habe das Vertrauen endgültig zerstört.

 

Die CDU gibt ein desaströses Bild ab. Sie schlägt ausgerechnet die kritischen Stimmen des langjährigen Ratsherrn Köpcke und eines ähnlich erfahrenen CDU-Mitglieds, dessen Name unserer Zeitung bekannt ist, in den Wind. Die Sitze von Köpcke und Blaedtke hat die CDU bereits verloren. Es bleibt abzuwarten, ob auch der dritte Kritiker abspringt.

 

Die Erste Stadträtin Sevil Celik (CDU) wiederum verwirrt mit einer Äußerung. In einer Pressemitteilung rief sie zur Konzentration auf die Sacharbeit auf und schrieb, sie stelle damit „die Perspektive der Verwaltung“ dar. Aber die Verwaltung umfasst die hauptamtlich Beschäftigten der Stadt. Celik dagegen ist Teil der ehrenamtlichen Selbstverwaltung. Sprachrohr der Verwaltung ist der Bürgermeister, nicht Celik.

 

Nicht zuletzt legte Karabacak unserer Redaktion den Gedanken nahe, dass die „Schmutzkampagne“ seiner Kritiker junge Menschen von der Lokalpolitik abschrecke. Sollen wir deshalb aufhören, über die Kritik an ihm zu berichten?! Trump, ick hör dir trapsen.

 

Jan-Hendrik Frank

 

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